15.10.2018 - Eberhard Fuhr (Pressesprecher des EJW)

„Sport und Kirche sind Geschwister“

Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes (STB), beim SprotForum am 15. Oktober 2018 in Esslingen (Foto: Julian Meinhardt - EJW)

Sportfunktionär wünscht sich Evangelischen Sportpfarrer

Beim SportForum des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) am vergangenen Sonntag in Esslingen stellte Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, fest, dass Kirche und Sport Geschwister sind. Sie verbinde das Bemühen um den Menschen. „Beide sind integrative Kräfte, die in der Gesellschaft unverzichtbar sind“, so der Sportfunktionär und Landtagsabgeordnete in seinem Grußwort. Für ihn war das SportForum, an dem sich erstmals zwölf Partner aus Kirche und Sport beteiligt haben, deshalb ein „Familientreffen“. Drexler forderte die Evangelische Landeskirche in Württemberg auf, einen Sportpfarrer oder eine Sportpfarrerin zu benennen. Damit wäre die Zusammenarbeit besser möglich.

„Wenn im Sport die Leistung zum Gott wird, verliert der Mensch“

Bei der Expertenrunde zum Thema „Der Mensch hinter der Leistung - was zählt im Sport?“ verwies Andreas Felchle, Präsident des Württembergischen Landessportbund (WLSB), darauf, dass die Kirchen und die Sportorganisationen wichtige Bindekräfte der Gesellschaft sind, die den Blick für das Ganze haben. Leidenschaftlich setzte er sich gegen Ausgrenzung ein. „An dieser Stelle bin ich gerne Lobbyist.“ Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Württemberg, setzte schon im Gottesdienst ein starkes Zeichen. „Wenn im Sport die Leistung zum Gott wird, verliert der Mensch“, sagte er in seiner Predigt. Jakobus Hartmann, der Vorsitzende des Evangelischen Sportverbands Eichenkreuz Württemberg, der zum EJW gehört, machte klar, dass die christliche Sportarbeit, die schon immer zur kirchlichen Jugendarbeit gehört habe, nicht in ihrem Umfeld hängen bleiben darf. Zusammen mit den haupt- und ehrenamtlichen Sportmitarbeitern im größten konfessionellen Jugendverband in Baden-Württemberg möchte er auf weitere Partner zugehen, da gemeinsame Anstrengungen notwendig wären. „Wir möchten nicht nur die Starken sehen, sondern auch die Schwachen, denn die gehören auch dazu.“ Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass Inklusion nur dann gelingen kann, wenn die Haltung verändert wird. „Die wesentlichen Barrieren sind nicht die Stufen vor der Sporthalle, sondern in den Köpfen“, so Andreas Felchle. „Einfach mal machen“ sei besser, als alle Inklusionspläne und Konzepte.

Weitere Informationen:

"Ein 'Sportpfarrer' wäre hilfreich"

Drei Fragen an Turnerbund-Präsidenten Wolfgang Drexler
epd-Gespräch: Marcus Mockler


Stuttgart (epd). Die Evangelische Landeskirche in Württemberg braucht einen Sportpfarrer, findet der Präsident des Schwäbischen Turnerbunds, Wolfgang Drexler. Er sehe beträchtliche Schnittmengen zwischen Kirche und Sport, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag in Stuttgart. Von Themen wie Integration und Inklusion über die Andacht beim Sportveranstaltungen bis hin zu Ethik-Projekten in Sportvereinen könnte sich ein Sportpfarrer aktiv einbringen, betonte der Präsident. Der Schwäbische Turnerbund ist nach eigenen Angaben mit rund 695.000 Mitgliedern der mitgliederstärkste Sportfachverband in Baden-Württemberg.

epd: Herr Drexler, Sie haben die Evangelische Landeskirche in Württemberg aufgefordert, einen "Sportpfarrer" zu benennen. Warum?

Drexler: Kirche und Sport sind große gesellschaftlich relevante Gruppierungen, die eine beträchtliche gemeinsame thematische Schnittmenge haben: sinnvolle Lebensgestaltung, Werte, Integration, Inklusion, auch moderner Sonntagsschutz. Im Blick darauf macht es Sinn, sich nicht nur auf lokaler, sondern auch auf überregionaler Ebene abzusprechen und zum Beispiel der Politik gegenüber mit einer Stimme zu reden. Unter anderem im Blick darauf wäre ein solcher hauptamtlicher "Sportpfarrer" hilfreich. Es gibt ja bereits den Landesarbeitskreis Kirche und Sport in Württemberg, was ich für eine sehr gute Einrichtung halte und in dem ja auch der Schwäbische Turnerbund vertreten ist.

epd: Was könnte so ein berufener Ansprechpartner für die Zusammenarbeit von Sport und Kirche tatsächlich bringen?

Drexler: Sport und Kirche haben viel gemeinsam: Im Grunde geht es beiden Parteien darum, den Menschen einen gesunden und zufriedenen Lebensweg mit ihrem Geist und Körper zu ermöglichen. Ein Sportpfarrer könnte diese Aufgabe konkret begleiten.

epd: Wo sehen Sie Potenzial für eine engere Kooperation von Sportverbänden und Kirchen?

Drexler: Jenseits der gerade genannten Bereiche könnte ein Sportpfarrer konkret Ethik-Projekte in Sportvereinen und -verbänden betreuen oder einfach Ansprechpartner für Vereinsmitglieder sein. Natürlich geht es auch darum, wie man zum Beispiel eine Andacht in größeren Sportveranstaltungen integriert. Es gibt viele Ebenen, auf denen ein Sportpfarrer im Leben der Sportvereine und -verbände aktiv sein könnte. Daher können wir die Kirche nur ermutigen, in diesem Bereich zu investieren und eine entsprechende Stelle zu schaffen.

Aus epd-südwest aktuell vom 22.10.2018 (ef)


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