21.02.2007 - Autor: rr

Theologische Zeitansage mit Andreas Malessa im Bernhäuser Forst (ejw)

Ein "Feuerwerk" von guten Gedanken mit weitem Horizont und großer Tiefe.

Die Premiere im Bernhäuser Forst ist gut gestartet.


Zu dem anspruchsvollen Thema: "Die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus in einer globalisierten Welt" hatte das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (ejw) Freunde, Förderer und Interessierte Haupt- und Ehrenamtliche eingeladen.

Fernsehmoderator Andreas Malessa (swr), der dem Bernhäuser Forst über Jahre hinweg im Beirat verbunden ist, begeisterte seine über 70 Zuhörer sprachlich brillant und inhaltlich tiefgründig.


Einige seiner Leitgedanken:


1. "Globalisierte Welt" meint: Radikal entgrenzter Lebensraum.

Globalisierung begegnet in Stuttgart in der S-Bahn "alle Völker sind schon da." Zu dieser ethnischen Mischkultur kommt eine wirtschaftliche Entgrenzung. Aldi, Nike und Nokia sind überall. Status- und Bildungsgrenzen fallen weg. Alles ist im Fluss. Dies gilt vielfach auch für Beziehungen. Man möchte verbunden sein, ohne sich zu binden. Der Kontakt tritt an die Stelle der Beziehung. Auch alles Private ist öffentlich geworden. Globalisierung bedeutet auch eine religiöse Entgrenzung. An Stelle festgefügter Milieus müssen sich viele heute ihre religiöse Prägung selbst zusammensuchen.


2. "Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus meint Ruf in die Nachfolge Jesu. Nicht Verteidigung der Grenzen.

Die Versuchung ist groß, in diese Orientierungslosigkeit hineinzurufen: Werde Christ und du findest bei uns zu allem die passende Alternative. Anspornen zu mehr geistlichen und moralischen Leistungen, Seelsorge für gewissensgeplagte Sünder sorgen für Vollbeschäftigung der Verkündiger. Die Versuchung, geben die globalisierte Welt Moral statt Evangelium zu predigen, ist groß. Früchte einzufordern ist leichter, als Samen zu verkaufen.

"Konformitätsdruck, Elitebewußtsein und gemeinsame Feindbilder erhöhen zwar die Bindungskraft für die Mitglieder einer Gruppe, nicht aber ihre geistliche Ausstrahlung und ihre missionarische Wirkung

(Dr. Hansjörg Hemminger).


3. Wir verkündigen die frohe Botschaft der Selbstentgrenzungen Gottes

Denn das Evangelium von Jesus Christus bringt die drei radikalsten Entgrenzungen überhaupt:

a) Gott wurde Mensch (Philipper 2,5)

Indem Gott diese Grenze überschritt, hob er zugleich auch alle anderen Grenzen auf.

b) Jesus stirbt willentlich und absichtsvoll als stellvertretendes Opfer für alle Schuld aller Menschen. Die Gültigkeit des Kreuzes, die Rechtfertigung des Sünders, den Satz "Jesus genügt" wirklich zu glauben fällt uns meist mindestens so schwer wie die Feindesliebe.

c) Die dritte Entgrenzung geschah am Ostermorgen.

Durch die Auferweckung ist Jesus Christus allen Menschen zu allen Zeiten an allen Orten gleich nah.

Durch verschlossene Türen hindurch kommt er mit seinem Gruß: "Friede sei mit euch!" (Johannes 20,19). Und dem fragenden Thomas zeigt er seine halbvernarbten Wunden (Johannes 20,27).


Auch nach seiner Auferstehung ist Jesus beides: Wahrer Mensch und wahrer Gott. Himmelfahrt Jesu ist nicht die Heimkehr in seine göttliche Seinsweise als Christus. Sondern Auferstehung und Himmelfahrt sagen: Im Himmel, im Jenseits, thront ein menschlicher Gott mit dem Gesicht des Jesus Christus.

"Es ging in der Menschwerdung und in der Kreuzigung um die Erniedrigung Gottes. Es geht in der Auferstehung und in der Himmelfahrt um die Erhöhung des Menschen. Unser menschliches Wesen ist in Christus zu Gott erhoben. Wir mit ihm droben! WSir mit ihm bei Gott!" (Karl Barth)


Beispiele dieser "göttlichen Globalisierung":

Petrus im Haus des Kornelius (Apg 10)

Paulus auf dem Apostelkonzil (Apg 15) und in Kolosser 1,15.20

"Alles ist durch ihn (Christus) und auf ihn hin erschaffen, er ist vor allem und alles hat ih ihm seinen Bestand. In ihm beschloss Gott, die ganze Fülle wohnen zu lassen und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er durch sein Blut am Kreuz Frieden stiftete, um durch ihn zu versöhnen, was auf Erden und im Himmel ist.


Wozu legitimieren diese Selbst-Entgrenzungen Gottes uns heute?

Wir kriegen weder logisch noch theologisch die Paradoxie der Universalität und exklusivität Christi harmonisiert. Christus hat alle mit Gott versöhnt und deshalb ist in keinem andern das Heil - wie wollen Sie das zusammen denken?

Also stehe ich vor Muslimen oder Buddhisten und sagen: Christus hat alle mit Gott versöhnt und es ist in keinem andern das Heil - und wonach Gott dich nach deinem Tod beurteilen wird, das überlasse ich ihm. Aber wie viel Himmel auf Erden, wie viel Ewiges in Deinem Leben schon vor dem Tode stattfindet - das kannst du mir doch mal zeigen.

Das will mehr als den feuchtwarm-butterweichen interreligiösen Dialog mit seinen Synkretismustendenzen aber auch nicht weniger als Matthäus 25 im Gleichnis Jesu vom großen Endgericht. Paradox? Ja.


Als Verkündiger des Evangeliums von Jesus Christus müssen wir ohnehin viele Paradoxien "verkaufen":

Ein Gott wird nicht Mensch.

Eine Jungfrau kriegt kein Kind.

Seine Feinde kann man nicht lieben.

Aus dem Grab steht keiner mehr auf.

Gott ist Liebe - lässt aber sinnloses Leid zu.

Wie will man das alles vernünftig harmonisieren?


"Der Glaube besteht aus einer Reihe von Gegensätzen, die durch die Gnade zusammengehalten werden."

Josef Ratzinger, zit. Kirchenvater St Cyran.


Wenn uns die Zeitgeschichte und die globalisierte Kultur um den Auferstehungsglauben bringt, wird das Leben zur "letzten Gelegenheit", muss alles "glücksmaximal" gelingen, dann muss ich rausholen, was zu holen ist. Dann ist der postmoderne Konsumismus nicht unmoralisch, sondern logisch.

Und gegen dieses erbarmungslose Leben predigen wir ds Erbarmen eines gnädigen Gottes mit einem menschlichen Antlitz. (Paul Zulehner)


Intensive Gespräche in kleinen Gruppen vertieften das Gehörte. In einer Fragerunde konnten nochmals klärende Rückfragen an den Referent gestellt werden.


Eine CD mit dem Vortrag kann für 5.- Euro bestellt werden bei: presse@ejwue.de


Bilder vom 15.2.: www.ejwue.de/bildergalerie


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Weitere Termine THEOLOGISCHE ZEITANSAGE

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15. März 2007

Die Bibel als bleibende Zeitansage in einer sich wandelnden Gesellschaftsordnung

Referent: Paul Dieterich

Prälat i.R, Weilheim/Teck


(D. Theo Sorg, Landesbischof i.R. musste aus gesundheitlichen Gründen leider absagen.)


8. November 2007

Die Chancen der jungen Menschen in einer sich ändernden Weltkultur

Referent: Prof. Dr. Thomas Schlag



Theologie für Ehren- und Hauptamtliche in der Jugendarbeit war von Anfang an ein Schwerpunkt in der Bildungsarbeit des Bernhäuser Forstes. Im Jahr 2007 wollen wir an dieser Tradition anknüpfen. Deshalb laden wir Ehren- und Hauptamtliche, Interessierte, Freunde und Förderer des ejw herzlich zu den Abenden ein.


Die Abende beginnen mit einem Imbiss um 19:00 Uhr im Bernhäuser Forst.

Nach einem musikalischen Auftakt und den jeweiligen Referaten ist Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Mit dem Abendgebet gegen 21:00 Uhr enden diese Begegnungen.


Um unseren Auftrag weiterhin erfüllen zu können, brauchen wir Menschen, die uns betend begleiten und finanziell unterstützen. Spenden und Opfer decken die Kosten, unterstützen die Arbeit in Projekten und helfen, unseren bleibenden Auftrag zu erfüllen. Viele von Ihnen haben uns tatkräftig unterstützt. Mit diesem Angebot wollen wir uns bei Ihnen bedanken. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.


Klaus Sturm, Leiter des ejw

Manfred Bletgen, Vorstand ejw Förderverein

Alma Ulmer, Studienleiterin Bernhäuser Forst



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noch ein heißer Tipp:

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Andreas Malessa ist mit dem Programm:

Gast auf Erden: 400 Jahre Paul Gerhardt

mit Sarah-Kaiser-Band am

Samstag, 3. März um 20.00 Uhr in der Friedenskirche in Ludwigsburg und am

Sonntag 4. März um 20.00 Uhr in Pforzheim Kulturhaus Osterfeld.

Infos: www.profile-productions.ch



 

Ich bin dabei!

Werner Baur

Oberkirchenrat

"Jugendarbeit und außerschulische Jugendbildung sind eine wichtige und äußerst wirksame Talentschmiede unserer Gesellschaft."

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