07.05.2016 - Redaktion: Eberhard Fuhr (EJW)

Vielfältige Begegnungen mit Geflüchteten

Foto: Fototeam Christival

Hilfetour startet beim Christival in die türkische Stadt Gaziantep

Die aktuelle Situation der Geflüchteten sowohl in Deutschland als auch im mittleren und Nahen Osten ist einer der thematischen Schwerpunkte für die mehr als 13.500 Teilnehmenden des bundesweiten Christivals in Karlsruhe. So wurde durch einen Flüchtlingsfond ermöglicht, dass 50 Geflüchteten bei Interesse kostenlos am Christival teilnehmen können. Sie kamen mit christlichen Jugendgruppen, mit denen sie jeweils an ihrem Aufenthaltsort in Kontakt stehen. Auch ein Besuch zu einem Flüchtlingslager in Karlsruhe stand auf dem Programm. Dort boten Mitarbeitende des „Global Village“, dem internationalen Zelt auf dem Christival, den Flüchtlingskindern einen Spiele-Nachmittag an. Dazu gehörten Kinderschminken und zahlreiche gemeinsame Spiele, so Tobias Kübler, der Organisator der Begegnung.

Unterstützung für Flüchtlinge an der syrischen Grenze

Zu den Teilnehmenden des Christivals gehört auch Bianka Grünberg (Görlitz), Referentin für Schuljugendarbeit beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Schlesische Oberlausitz. Sie ist in der Flüchtlingsarbeit in der Türkei aktiv. Nach dem Christival-Abschlussgottesdienst führt ihr Weg nicht wieder zurück nach Hause. Ihr Fahrzeug steht während des Christivals an der Karlsruher Messe, von wo es auf eine dreitägige Autotour nach Gaziantep in der Türkei geht - etwa 40 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Ihr Ziel, so Grünberg, sei ein ärmlicher Stadtteil in der Millionenmetropole im Südosten der Türkei, wo syrische Flüchtlinge in zum Teil erbärmlichen Behausungen lebten. Hier betreibe sie seit zwei Jahren intensive Flüchtlingsarbeit, nachdem sie in einem Erholungsurlaub in der Türkei die Überzeugung gewonnen habe, sich zukünftig in der Flüchtlingsarbeit engagieren zu sollen. Unterstützung bekam sie dabei vom CVJM. Ihr Ziel sei zum einen gewesen, für die Flüchtlingskinder Bildungsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu gründete sie zusammen mit fünf jungen Flüchtlingen eine Schule und organisierte die notwendigen Räumlichkeiten und Lehrkräfte. Zum anderen begleite und unterstütze sie Geflüchtete bei Behördengängen.

„Das Problem ist, dass die syrischen Flüchtlinge in der Türkei keinerlei Rechte haben“, berichtete Yasin Adigüzel (Tübingen), Landesreferent des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) für Interkulturelle Öffnung. Seit einigen Jahren komme er einmal im Jahr für vier Wochen nach Gaziantep, wo er Bianka Grünberg unterstütze. Beide könnten sich sowohl auf Arabisch als auch Türkisch mit den Geflüchteten und den Behörden verständigen. So würden beide immer wieder als Dolmetscher tätig. Die Geflüchteten dürften beispielsweise nur mit Genehmigung die Stadt verlassen, doch die Geflüchtete redeten und verstünden kein Türkisch und hätten somit keine Chance, aus der Stadt zu kommen. Hier können sie dank ihrer Türkischkenntnisse weiter helfen. Gleichzeitig hülfen sie auch den Behörden. „Die Behördenmitarbeiter sind mit der großen Zahl der Geflüchteten völlig überfordert“, so Adigüzel, und seien oftmals dankbar für die Hilfe. Das gelte auch in Krankenhäusern, wohin er die Patienten bis zum Operationssaal begleite. Doch trotz dieser Hilfe würden die beiden immer wieder angefeindet. Doch sie führen ihre Arbeit nicht nur aus humanitären Gründen durch. „Wir wissen uns von Gott gesandt.“ Und aufzugeben komme für sie überhaupt nicht in Frage.

Weitere Informationen:
Arbeitsbereich Interkulturelle Öffnung


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Thai An Vu

Informatikerin & Ehrenamtliche im EJW-Weltdienst

"Zuerst habe ich gedacht, ich bin ja schon selber Migrantin und in Migrantengemeinden aktiv. Doch in Begegnungen mit Menschen aus anderen Kulturen und in anderen Ländern habe ich einen neuen Schatz entdeckt. Es macht Spaß Erfahrungen zu teilen."

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