01.11.2017 - Eberhard Fuhr

„Vielfältige und weltoffene Werbung für Kirche“

Die ChurchNight in Kirchheim

Foto: Franziska Toepler (EJW)

An rund 800 Orten in ganz Deutschland und weltweit haben junge Menschen mit einer ChurchNight das 500jährige Reformationsjubiläum gefeiert – auch ökumenisch.

Rund 100.000 Besucher, überwiegend junge Menschen, haben gestern Abend bei einer „ChurchNight“ den Reformationstag gefeiert. Seit ihrem Start 2006 ist diese Veranstaltungsform in Deutschland und anderen Ländern zu einem Renner geworden. Bis zu 800 Veranstaltungen waren es nach Angaben des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) auch in diesem Jahr.

Keine Gegenbewegung zu Halloween

Von Anfang an wurde die „ChurchNight“ in der Öffentlichkeit als Gegenbewegung zum immer populäreren Halloween gesehen. Dieses Verständnis ist nicht totzukriegen, obwohl schon in einem Konzeptpapier 2005 festgelegt worden war, dass man „keine Kampf- und Kriegsstrategie“ gegen die Gruselpartys verfolge, teilte Eberhard Fuhr, Pressesprecher des EJW, mit. Die Ursprünge liegen seiner Auskunft nach im Begehren junger Leute, eigene Gottesdienstformen auszuprobieren. Das hatten sie schon 1999 in dem Thesenpapier „Zehn Zumutungen“ formuliert. Beim Schluss- und gleichzeitig Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 500jährigen Reformationsjubiläum lenkte die ChurchNight damit den Blick in die Zukunft: „Weil Reformation auch nach 500 Jahren jung ist. Und weil unsere Kirche junge Leute braucht, damit sie Zukunft hat.“, so Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). So waren Jugendliche und junge Erwachsene an vielen Orten nicht nur eingeladen, sondern gestalteten die Veranstaltungen aktiv mit, die ihrem Glaubens- und Lebensstil entsprachen. Auch Kooperationen zwischen evangelischen und katholischen Gemeinden waren für viele Organisatoren selbstverständlich, wie beispielsweise in Esslingen-Berkheim. „Eine sehr beeindruckende Nacht! Mir ist die Dimension der ChurchNight noch einmal vor Augen geführt worden. Eine unfassbar sympathische, vielfältige, weltoffene Werbung für die Kirche und das Evangelium.“ So zog Dieter Braun, Fachlicher Leiter des EJW seine Bilanz, nachdem er gestern vier Veranstaltungen besucht hatte.

Zwölf Stunden live auf Sendung

Ein ganz besonderes Angebot zur ChurchNight gab es in diesem Jahr: Aus einem Radiostudio in Göppingen sendete das „ChurchNight-Radio“ per Livestream zwölf Stunden lang interessante Berichte, aktuelle christliche Musik und Liveschaltungen zu verschiedenen ChurchNights. Organisiert wurde das Radio von fünf Ehrenamtlichen des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW). Thomas Vollmer, einer der Radiomacher, zog eine durchweg positive Bilanz: „Einige ChurchNights vor Ort haben das Radio in ihrer Veranstaltung genutzt. Hunderte Hörer waren dabei und viele haben sich per Anruf oder WhatsApp beteiligt. Besonders schön war, dass die Hörer sich untereinander vernetzt haben und gegenseitig Grüße ausgerichtet haben. “

ChurchNights auch an ungewöhnlichen Orten

In Stuttgart feierten rund 500 junge Protestanten die ChurchNight in einem Kino in der Innenstadt mit dem Rapper Simon S und der PoertrySlamerin line, nachdem es in den verschiedenen Kirchen im Stadtgebiet Auftaktveranstaltungen gab: „Alles in allem eine geniale Veranstaltung zum 500jährigen Reformationsjubiläum!“, so René Böckle, Organisator von der Evangelischen Jugend Stuttgart. Auf der Burg Hohenzollern begann die ChurchNight bereits am Nachmittag unter dem Titel „Eine feste Burg ist unser Gott“. Musik, Kreativangebote und Theaterszenen aus Luthers Leben lockten mehrere Hundert Menschen, darunter viele Familien, auf die Burg.

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Christoph Zehendner

Journalist & Theologe

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