30.06.2008

Waltraud Schuldig verabschiedet

Langjährige Geschäftsführerin von buch+musik geht nach 28-jähriger erfolgreicher Arbeit in den Ruhestand

Am vergangenen Freitag wurde in einer bewegenden Abschiedsfeier mit über 150 geladenen Gästen Waltraud Schuldig für ihre besonderen Verdienste gewürdigt. Aus der ursprünglichen "Schriftenniederlage", damals noch in der Danneckerstraße 19a in Stuttgart ist unter ihrer Leitung eine moderne Fachbuchhandlung mit einem eigenen Verlag entstanden. Aus der Buchhändlerin, die am 1. Mai 1980 begonnen hat, wurde die Geschäftsführerin der Buchhandlung und Verlag des ejw GmbH, später dann der ejw Service GmbH.

Mit ihrem breit gefächerten Fachwissen, ihrer Beratungskompetenz, ihrem unermüdlichen Einsatz und ihrer Leidenschaft für Bücher hat sie aktiv zur "Geschichte des Buches" in Württemberg und weit darüber hinaus beigetragen.

Ihre Nachfolgerin in der Geschäftsführung wird ihre langjährige Mitarbeiterin Martina Mühleisen, die seit 11 Jahren buch+musik aktiv mitgestaltet hat.


Festvortrag: Jugend liest

Gottfried Heinzmann Ralph Lang

Im impulsgebenden Festvortrag unter dem Thema: "Jugend liest" betonten Gottfried Heinzmann, Leiter des ejw und Ralph Lang, Pfarrer z. A., die besondere Bedeutung des Buches.

Ein paar Kostproben:


1. Liest Jugend?

Ein Zitat voran: "Trotz allen Fortschritts des menschlichen Geistes wird immer noch sehr wenig gelesen." Wenn es um ein Referat mit inkludierter Laudatio auf eine Buchfreundin geht, darf eine solche kulturpessimistische Klage nicht fehlen.

Doch genauso wenig das Lob auf das Lesen, welches in einem zweiten Zitat zum Ausdruck kommt: "Ein gutes Büchel ist der Seel' ein Küchel, womit sie sich ernährt."

Beide Behauptungen sind zu Schlachtrufen gegen den Niedergang der Kultur und der Bildung in der multimedialen Postmoderne geworden. Da gibt es Fernsehen, auch und besonders das Privatfernsehen und dann noch das Internet. Daneben erscheint das Buch als Auslaufmodell.

Jedoch die Klage, dass zu wenig gelesen werde und die Behauptung, dass Lesen bilde, sind nicht neu und nicht nur allein in der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts zu hören. Beide angeführten Zitate zum Thema sind alt, nach den Vorstellungen der momentanen Jugend sogar uralt: das erste stammt von Voltaire, (1694 - 1778), das zweite von Abraham a Santa Clara, (1644 - 1709). Es ist also kein neues Phänomen, wenn die gebildeten Beobachter/innen meinen, es würde zu wenig gelesen und es stünde alles besser, wenn nur jede/jeder so viel lesen würde wie man selbst.

Vollständiger Text zum Download:

Jugend liest (pdf-Datei, 300 kb)


Weltbundabzeichen

Für ihre besonderen Verdienste für die Jugendarbeit wurde Waltraud Schuldig mit der Goldenen Weltbundnadel des CVJM ausgezeichnet.




In zahlreichen Grußworten aus ihrer beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit im Fachausschuss Junge Erwachsene wurde die Person Waltraud Schuldig mit ihrem leidenschaftlichen Engagement, ihrem präzisen Nachfragen und ihrem zielführenden Engagement sichtbar.


Theater01In einem eigens für sie verfassten Theaterstück schilderten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Buchhandlung anschaulich markante Wesenszüge ihrer Persönlichkeit: "Klar das Ziel vor Augen, sich durch nichts abbringen lassen, Widerstände überwinden und alle, selbst Feinde – zu Büchertisch-Mitarbeitenden beim Landesposaunentag in Ulm machen."




Musik

Musikalisch umrahmt wurde der Festabend von einem Bläserensemble aus der Posaunenarbeit im ejw, Hans-Martin Sauter (Klarinette), Hans-Joachim Eißler (Klavier) und einem Segenslied, gesungen von den Kolleginnen und Kollegen der Landesstelle des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.


Bilder von der Verabschiedung hier: www.ejwue.de/bildergalerie


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Grußwort Marcus Witzke,  Geschäftsführer des ejw

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Marcus Witzke Wege

"Angefangen bei der Fusion von Mädchenwerk und Jungmännerwerk auf Bezirksebene 1973, über den Vorsitz beim Fachausschuss Junge Erwachsene im ejw ging der Weg mit dem ejw erst ehrenamtlich, dann hauptamtlich. Abends ab 18 Uhr, wenn der Laden geschlossen wurde bis 22 Uhr und an vielen Samstagen und Wochenenden, haben Sie ehrenamtlich für buch+musik gearbeitet. Sich mit dynamischem Schritt zu Fuß oder mit dem Bus auf den Heimweg gemacht, neue Wege beschritten im Hinblick auf Produkte und Verkaufsstrategien: ‚Wo sind die Trends, was ist gefragt, was wird laufen?‘ – Das war stets ihre Frage.

Dass über Bücher das Evangelium weitergegeben wird, Mitarbeiter gestärkt werden, das Werk bekannt wird und alles mit schwarzen Zahlen abschließt, das war ihr Weg, auf dem es immer wieder herausfordernde Weggabelungen gab. Ab Herbst werden wir ihr vermutlich noch häufig begegnen – als Ehrenamtliche, die Bücher weiterhin bei verschiedensten Anlässen verkauft…


Weggefährten

Viele Veränderungen bei den zahlreichen Menschen, ob Kollegen oder Mitarbeiter, gab es in den 28 Jahren. Denn: Keiner ist länger hier im ejw als sie und keiner kennt vermutlich so viele Menschen persönlich wie sie. Sie haben 3 Männer in der Geschäftsführung des Werkes und der GmbH erlebt. Zahlreiche Referentinnen und Referenten, die kamen und gingen. Einen Wechsel von Leiterinnen und Leitern – selbst Hermann Hörtling, eines unserer Urgesteine, haben sie zumindest in der aktiven Arbeitsphase überdauert.

Frau Mühleisen, ihre Nachfolgerin haben sie über 11 Jahre kennen und schätzen gelernt und seit dem im letzten Jahr mehr und mehr mit Verantwortung ausgestattet. Wie viele Menschen mit ihnen unterwegs waren, sieht man auch an der Zahl derer, die heute zu ihrem Abschied gekommen sind. Wohl dem, der nicht allein unterwegs ist. Danke für die vielen, denen sie Weggefährtin waren, die sie in all den Jahren begleitet haben.


Wegweiserin

Jesus sagt von sich: 'Ich bin der Weg.' Menschen zu helfen, diesen Weg zu finden, Wege hier im Haus zu finden, das war ihre Leidenschaft. Für alle Menschen die ihnen durch die ganz unterschiedlichen Wege über den Weg gelaufen sind, haben sie eine richtungsweisende Antwort gewusst:

- durch die praktische Beratung über das richtige, passende Buch.

- durch eine Wegbeschreibung, wo man wen finden kann, notfalls als   persönliche Führerin im Haus.

- über einen wertvollen Rat, das Gespräch, die freundlichen Worte.

Als Ratgeberin für zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und viele unserer Zivildienstleistenden. Als Ratgeberin für mich, der neu war in Buchhandels- und Verlagsfragen. Danke für ihren Dienst als Wegweiserin, damit andere durch sie den Weg finden konnten."


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Grußwort Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des ejw

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Jürgen Kehrberger Am Anfang Du   (Martin Buber)

"Dass es im ejw eine Buchhandlung gibt, verdanken wir dem Mädchenwerk. Jungs scheinen schon damals nicht so gerne gelesen zu haben. Dort im Mädchenwerk hast du Deine Wurzeln. So warst du z.B. zweite Vorsitzende des Evang. Jugendwerks Bezirk Kirchheim, dort sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Aus der gemeinsamen Arbeit ist kollegiale Freundschaft gewachsen. Dein Name hat Klang. Wer Waltraud sagt, wer Frau Schuldig sagt, der meint damit in einem Atemzug buch+musik und das ejw. Waltraud Schuldig, Du bist als Person die Kurzfassung von ejw.


Als Geschäftsführerin der ejw - Service GmbH hast du ganz entscheidend in die Jugendarbeit hinein gewirkt, der Jugendarbeit zugearbeitet, sie unterstützt und oftmals erst ermöglicht. Wieder gilt: Am Anfang Du. Mitarbeiterschulungen werden vorbereitet mit Büchern und Material. Theologische Referate und Bibelarbeiten wurden erarbeitet mit Literatur aus "Deinem/unserem Laden". Dabei ist dir stets die theologische Weite und Breite wichtig. Das genieße ich an buch+musik besonders. Du hast dafür gesorgt, dass theologisches Schwarzbrot ebenso wie leicht Verdauliches verkauft wurde, wissenschaftliche Literatur genauso wie praxisgerechte. Du sorgst dafür, dass die guten Ideen der Kolleginnen und Kollegen unter die Leute kommen. Dabei hast du ein untrügliches Gespür für den Markt. Wenn du der Meinung bist, dass sich von einem bestimmten Exemplar 1500 Stück absetzen lassen, dann ist das auch so.


Dein Dienst für die Jugendarbeit wird am deutlichsten im Konvent der Jugendreferentinnen und Jugendreferenten sichtbar. Hier hast du für eine bestimmte Zielgruppe ein weltweit einmaliges Angebot geschaffen. Das "weltweit einmalig" behaupten wir jetzt einfach mal, bis uns jemand vom Gegenteil überzeugt, das wird aber dauern. Dein Büchertisch ist einfach gigantisch – auf einer Fläche, die größer als der Vortragssaal ist, präsentierst du zur Unterstützung der Jugendarbeit Dein Angebot. Dabei hast du einen vorbildlichen missionarischen Lebensstil. Du gehst auf Menschen zu, lädst sie ein, sich dein Angebot anzusehen, und freust dich über jede Bekehrung. Du kannst aber auch gut aushalten, dass jemand nicht bei dir kauft. Zu einem missionarischen Lebensstil gehört ein hohes Engagement. Du bist morgens die Erste. Bis die Kolleginnen zum Frühstück kommen, präsentierst du schon die am Vortrag bestellten Bücher samt Rechnung. Wenn sich andere gemütlich zusammen setzen, dann machst du noch lange nicht Feierabend.


Noch einmal: Am Anfang Du!

Es war neulich im Fachausschuss, fast die Hälfte der Fachausschussmitglieder kommt mit einer Tüte aus buch+musik zur Türe herein. Sie alle gingen vor der Sitzung zu dir, um noch schnell bei "der Waltraud" etwas zu kaufen.

Das gilt ebenso für Jugendliche, die hier im Haus sind – da müssen Pausenzeiten einer Tagung verlängert werden, weil viele einkaufen wollen.

Bei Mitarbeitereinführungen ist es üblich, dass mit den neuen Mitarbeitenden durchs Haus gegangen wird. Ich fing dabei im dritten Stock an. Bei all den Begegnungen läuft dann - bis man im Erdgeschoss ankommt - die Zeit weg. Es reichte für eine Begegnung bei buch+musik nicht mehr. Das hast du dir angesehen und mich nochmals an die Bedeutung von buch+musik erinnert – somit war klar: Am Anfang Du.


Am Anfang Du gilt natürlich auch für viele Veranstaltungen und Kongresse: Wachsende Kirche, Konvent, Lapo und Leipzig, – bevor andere kommen bist du schon da.

Für dein leidenschaftliches Engagement sage ich im Namen des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg und aller Kolleginnen und Kollegen herzlichen Dank.

Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt – dem du mit gemischten Gefühlen entgegensiehst, der so genannte Ruhestand. Dieser Lebensabschnitt ermöglicht neues, zum Beispiel ehrenamtliches Engagement. Darauf hoffen wir. Da du dich leidenschaftlich für die Weitergabe des Glaubens einsetzt, sei der Hinweis erlaubt, dass das neue Testament keinen Ruhestand kennt.

Waltraud Schuldig



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und noch ein paar Kostproben aus dem Festvortrag:

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"Ein Buch. Ein Haufen toter Buchstaben? Nein, ein Sack voll Samenkörner!" André Gide (1869-1951)


"Beim Thema Lesen und Jugendarbeit muss die christliche Jugendarbeit zunächst einmal anerkennen, dass das Leseverhalten Jugendlicher prägend für deren gesamte Lebensbewältigung ist.

Dabei ist es weniger der klassische Bildungskanon, der dabei die Kriterien vorgibt, sondern die Funktion des Lesens als Grundkompetenz in der pluralistischen Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts."


Mit der technischen Erfindung von digital vermittelnden Medien ist eine neue Epoche angebrochen, vergleichbar Gutenbergs Buchdruck um 1450. Mit dem damit einhergehenden ungeheuren Anwachsen der Vielfalt ergibt sich ein vermehrter Bedarf an Reflexion. Dieser erhöhte Reflexionsbedarf beim Gebrauch der Medienwelt weist dem Buch und dem Lesen eine Schlüsselfunktion zu: ''Wichtig ist gesamtgesellschaftlich die Pflege der Lesekultur beim Nachwuchs. 'Lesekultur' ist aber nicht ideologisch-inhaltlich zu verstehen, sondern als Basiskompetenz für alle Lebensbereiche. Wer Langtexte liest, lebt ein lohnenderes Leben.''(Kerlen)


Der Würzburger Theologieprofessor und Schriftsteller Klaas Huizing geht noch weiter. Für ihn ist Jesus im Text "ästhetisch real präsent". In den Buchreligionen – und das ist vielleicht ihr entscheidendes Merkmal – ist das Lesen ein bevorzugter Ort für eine Gottesbegegnung. Dass dies nur eine dünne Gotteserfahrung sei, wenn man von den Erfahrungen anderer liest, also eine Gotteserfahrung aus zweiter Hand, das glaubt Klaas Huizing nicht. Ähnlich wie Kähler sieht er in den biblischen Texten eine verdichtete Leben-Jesu-Erfahrung. "Ein Text kann einen Menschen, der dreißig Jahre gelebt hat, in wenigen Zeilen so präsent machen, dass sie eine stärkere Erfahrung dieser Figur haben, als es unter Umständen den Menschen möglich war, die mit ihm durch Palästina gezogen sind."


Zu dieser verdichteten Jesuserfahrung laden wir als Jugendwerk junge Menschen ein. Deshalb braucht Jugendarbeit Bücher, die zum Lesen des Buches der Bücher hinführen. Und Bücher, die aus dem Lesen des Buches der Bücher herauswachsen.


vollständiger Text zum Download (pdf-Datei)

Jugend liest (pdf-Datei, 300 kb)








 

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Christoph Zehendner

Journalist & Theologe

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