21.05.2006 - Edgar Hälbich

Was hält unsere Gesellschaft zusammen

Podiumsdiskussion mit Sozialministerin Dr. Monika Stolz und Landesbischof Frank O. July beim Landesposaunentag

In Deutschland lebende Immigranten haben sich im Sinne einer erfolgreichen Integration den hiesigen Verhältnissen anzupassen. Diese Ansicht vertraten die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion, die das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (ejw) am Sonntag am Rande des 41. Landesposaunentags in Ulm veranstaltete.

Die Gesprächsteilnehmer waren Baden-Württembergs Arbeits- und Sozialministerin Dr. Monika Stolz (CDU), Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD), Frank O. July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Berthold Frieß, Landesjugendreferent im ejw und Vorsitzender des baden-württembergischen Landesjugendrings.


Die Diskussion unter dem Thema "Was hält unsere Gesellschaft zusammen?" im Ulmer Stadthaus leitete der Vorsitzende des ejw, Harald Alber.

Eine gemeinsame Sprache sei die wichtigste Grundlage für ein harmonisches Miteinander, so Stolz. "Wer die deutsche Staatsbürgerschaft will, von dem dürfen wir auch etwas einfordern." Die Ministerin sprach sich zudem dafür aus, unter gewissen Umständen Deutsch zur Pflichtsprache auf hiesigen Schulhöfen zu machen. "Wenn eine Fremdsprache dazu genutzt wird, sich selbst oder andere auszugrenzen, dann stehe ich zu einem Verbot."


Auch Ulms OB Gönner sprach sich klar dafür aus, dass Einwanderer der deutschen Sprache mächtig sein sollten. "Wenn ich mich in diesem Land aufhalte, ist Deutsch die Verkehrssprache." Dies gelte für Kinder wie für auch für deren Eltern. Gönner: "Wer Kindergeld bezieht, der kann auch zum Sprachkurs gehen." Deutschland sei ein attraktives Einwanderungsland, "und dafür dürfen wir im Gegenzug auch Ansprüche stellen."


Den Vorwurf, dass das zu Ostern von Familienministerin van der Leyen initiierte "Bündnis für Erziehung" das Land in Christen und Nichtchristen spalte, wollte July so nicht stehen lassen. "Es ist nicht zu bestreiten, dass im Süden Deutschlands die Kirchen und der Staat in den Bereichen Kindergärten und Schulbildung schon immer eng zusammengearbeitet haben. Meiner Ansicht nach darf sich die Kirche nicht aus diesen Bereichen zurückziehen, weil sie sozial sehr wichtig sind."


In einer an ihn gerichteten Frage sagte Frieß, er wisse aus eigener Erfahrung im Bereich der Jugendarbeit, "dass die Jugend besser ist als ihr Ruf". Ein Beleg dafür sei, dass die 14- bis 24-Jährigen nach wie vor die engagierteste Altersgruppe sei. Neben der Schule spiele auch die Kirche eine wichtige Rolle bei der Erziehung junger Menschen, so Frieß, der eindringlich appellierte, dass sich Kirche und Schule eher ergänzen denn gegeneinander konkurrieren sollten.

Die deutsche Gesellschaft sei nach wie vor geprägt von ihren christlichen Wurzeln, sagte July, auch wenn das Land heute ein Vielvölkerstaat ist. "Und die Gesellschaft lebt nach wie vor von Voraussetzungen, die sie sich selbst nicht gegeben hat. Dazu dürfen wir uns selbstverständlich auch bekennen." Die oft gestellte Frage, wie viel Christentum das säkulare Deutschland vertrage, sei insofern ad absurdum geführt.


In dem Bemühen, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten, brauche das Land eine Vielzahl von Partnern. Gönner sparte seinerseits nicht mit Kritik gegenüber vielen Eltern, denen er vorwarf, sich aus der Erziehung ihrer Kinder "verabschiedet" zu haben. "Als Kommunen und als Land stehen wir dann natürlich vor einem Dilemma, wenn wir vorgehalten bekommen, wir hätten uns nicht einzumischen, weil die Erziehung Sache der Eltern sei."

Edgar Hälbich


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Thai An Vu

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