05.06.2013 - Matthias Kerschbaum

Zu Fuß durchs Heilige Land

Foto/Copyright: CVJM Landesverband in Württemberg

Von Burqin bis Ben Yehuda ist es ein weiter Weg

Als ich bei der Abreise im Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv aus Sicherheitsgründen nach unserer Reiseroute befragt werde, schildere ich unseren Start zu Fuß auf dem Nativity Trail mit dem ersten Etappenziel Burqin, sowie die weiteren Stationen auf dem Jesus Trail in Galiläa zwischen Nazareth und Kapernaum. Die zuständige Sicherheitsbeamtin ist schnell zufrieden und befragt stichprobenartig noch andere aus unserer 17-köpfigen Pilgergruppe. Nach einigen Minuten kommt sie aufgebracht zu mir zurück und bittet um eine Erklärung, warum ich ihr nicht gesagt hätte, dass wir auch in der Westbank gewesen wären. Mit dem Namen Burqin konnte sie nämlich beim besten Willen nichts anfangen. Auch mir sagte dieser Ort bis dahin schlichtweg überhaupt nichts.

„Die Herrlichkeit des Herrn“

Wir waren in Zababdeh eines der wenigen christlichen Dörfer in der Westbank mit unserer Trekkingtour gestartet und dann über Jenin in diesen besonderen Ort gekommen. Nach der Tradition soll hier Jesus auf seinem Weg von Nazareth nach Jerusalem die 10 Aussätzigen geheilt haben. Davon zeugt heute noch eine der wohl vier ältesten Kirchen im Heiligen Land, in der sich nach wie vor eine kleine christliche Gemeinde zum Gottesdienst versammelt. Dort angekommen stimmten wir vollmundig „Die Herrlichkeit des Herrn“ an, bevor wir von unseren jeweiligen Gastfamilien für diesen Abend in Empfang genommen wurden. Zu dritt oder zu viert betrat jeder von uns eine für ihn bis dato wohl fremde Welt. Unsere Dreiergruppe hatte einen von der Familie eigens abgestellten persönlichen Assistenten. Mit nur einzelnen englischen Wörtern fanden wir schnell zu einer eigenen Zeichensprache. Nach einem Fußballspiel zwischen Müll und Steinen, mit einer Kinderschar aus dem Dorf, hieß es erst mal vor dem Haus aufs Essen warten. Immer wieder kam der eine oder andere Nachbar zum Plausch vorbei. Als ein Gruppenmitglied dann nach einer Toilette fragte, musste eine kleine Wartezeit eingeplant werden, in der unser Assistent erst mal die Wohnung vor weiteren schätzungsweise weiblichen Familienmitgliedern räumte. Unser Assistent, ja was war er eigentlich, Gastgeber, Aufpasser oder sogar Wächter? Oder doch einfach alles zusammen. Mit seinen 15 Jahren war er auf jeden Fall voller Eifer bei der Sache.

Große Gastfreundschaft erlebt

Wir haben dort eine gute Zeit und sind doch etwas irritiert, als er sich abends in dem uns zugeteilten Zimmer plötzlich quer vor uns legt, sodass niemand mehr ungesehen den Raum betreten oder verlassen kann. Als wir uns am nächsten Morgen beim Hausherrn mit einem Trinkgeld verabschieden wollen, lehnt er ab und antwortet nur: „Mein Haus ist Euer Haus.“ Diese Form der Gastfreundschaft bleibt hängen. Schon bei der letztjährigen Trekkingtour durch Samaria und Judäa von Nablus nach Bethlehem gab es solch ähnlich ungewohnte Erfahrungen (siehe: http://www.zeit.de/reisen/2012-09/leserartikel-westbank-trekking).

Einige Tage später nach rund 100 Kilometer Wanderung und einer 69 Kilometer langen Fahrradtour um den See Genezareth sitzen wir abends in der angesagten Jerusalemer Ben Yehuda Street und genießen das Nachtleben zusammen mit vielen feiernden Israelis. Es bleiben viele herzliche Begegnungen in Erinnerung. Beispielsweise die Beratung im Bürgermeisteramt Burqins in Sachen Tourismusentwicklung, die Übernachtung auf einer israelischen Ökofarm, das Leben im Moshav, der gemeinsame Gottesdienst mit dem Christustreff in Jerusalem oder der Austausch mit den Verantwortlichen im YMCA East Jerusalem.

Bitte um den Frieden für das Heilige Land

Manch einer konnte auf dieser Reise neue Entdeckungen machen. Etwa die Erkenntnis, dass im Heiligen Land vieles nahe beieinanderliegt. Dass zum Beispiel Maria von Magdala eine Frau aus dem Nachbardorf von Jesus war, dass man vom Berg der Seligpreisungen auf dem Jesus die Bergpredigt, mit Worten wie „Selig sind die Friedfertigen“, gehalten hatte, direkt zu dem Ort sehen kann, wo einst die Zeloten zu Hause waren oder dass heute Juden, Christen und Muslime in allen Schattierungen eng beieinander wohnen. Nichtsdestotrotz blieb es auch nicht verborgen, dass zwischen Vorstellungen und Überzeugungen der Menschen in diesem Land, noch große Entfernungen liegen. So wird das Wort „Shalom“ von einem Palästinenser leider nicht als Friedensgruß verstanden. Neve Shalom, Friedensdorf, so hieß übrigens der Ausgangsort unserer Reise. So kann man nur hoffen, dass Gott selbst seinen Frieden schafft. Diesen Frieden erbitten wir für das Heilige Land und auch für uns selbst.

Den Reisebericht mit Bildern gibt es unter:
http://ejwreisen.tumblr.com/


Matthias Kerschbaum
Landesreferent CVJM Landesverband in Württemberg

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