12.11.2020 - Eberhard Fuhr (Pressesprecher des EJW)

Corona-Pandemie verändert evangelische Jugendarbeit stark

Die Evangelische Jugendarbeit in Württemberg verändert sich stark durch die Corona-Pandemie und nutzt verstärkt digitale Formate wie hier bei einem Streaming-Format des „5-Sterne-Sommers“ aus Unteröwisheim (Foto: Julian Meinhardt – EJW)

Aktuelle Studie zeigt Rückgang bei Jungschargruppen und Wachstum bei digitaler Jugendarbeit

Nach einer im September 2020 an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg durchgeführten studentischen Online-Umfrage bei 109 Hauptamtlichen aus dem Bereich des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) hat sich die evangelische Jugendarbeit in Württemberg durch die Corona-Pandemie stark verändert. Mehr als die Hälfte der Hauptamtlichen berichtet dabei über eine Abnahme der Ehrenamtlichen nach der Phase des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Bei der Anzahl der Jungschargruppen wird durchschnittlich über einen Rückgang von 19 Prozent der Gruppen berichtet. Jede fünfte Jungschar existiert demnach am Ende des Lockdowns nicht mehr. Besonders stark wurden auch die Waldheime und Freizeiten getroffen, auch weil weniger Plätze wegen Hygiene-Schutzkonzepten angeboten werden konnten. Hier berichten drei Viertel der Hauptamtlichen über einen Rückgang gegenüber den Zahlen von 2019. Deutlich weniger beeinträchtigt sind Angebote mit Jungen Erwachsenen. In diesem Bereich gab es bei einem Viertel der Befragten auch Zuwächse in der Zahl erreichter Menschen.

Messengerdienste und Online-Medien sind Standard

Der Einsatz digitaler Medien wurde in den Jugendarbeitsangeboten deutlich verstärkt. Dabei stehen viele Verantwortliche vor einem Dilemma. Messengerdienste wie WhatsApp sind datenschutzrechtlich eigentlich für die Jugendarbeit nicht zulässig, aber ohne solche Dienste sind Jugendliche heutzutage kaum erreichbar. Vier Fünftel der Jugendreferentinnen und Jugendreferenten setzen daher WhatsApp ein, auch Instagram, Zoom und eigene Internetseiten gehören zu den digitalen Standardmedien der Jugendarbeit. Allerdings weisen die Kommentare der Befragten darauf hin, dass viele Jugendliche sich während des Lockdowns nach realen Begegnungen gesehnt hätten, digitale Zusammenkünfte seien eher eine Notlösung.

„Nicht nur auf den Rückgang blicken, sondern innovative Wege gehen“

Hannah Brinkmann, die im Rahmen eines studentischen Forschungsprojekts die Befragung initiierte, zeigt sich beeindruckt vom Engagement der Jugendreferentinnen und Jugendreferenten: „Ein Drittel der Hauptamtlichen hat die Befragung beantwortet, viele haben ausführlich über ihre Situation berichtet“, sagt die 22-Jährige, die sich selbst ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagiert. Für Prof. Dr. Wolfgang Ilg weisen die Ergebnisse auf große Herausforderungen hin. „Gute Jugendarbeit lebt von Beziehungen – und die lassen sich nur bedingt in den digitalen Raum verlegen“, analysiert Ilg, der an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg die Professur für Jugendarbeit innehat. Er weist darauf hin, dass das EJW mit diesen Daten bundesweit zu den ersten Jugendverbänden gehört, die detaillierte Auswertungen über die Folgen des ersten Lockdowns vorlegen können.

Für Cornelius Kuttler, den Leiter des EJW, sind diese Zahlen eine wichtige Hilfe, um einen realistischen Blick auf die Jugendarbeit in der gegenwärtigen Situation zu bekommen. Er ermutigt die Verantwortlichen in der evangelischen Jugendarbeit dazu, jetzt nicht nur auf den Rückgang zu blicken, sondern innovative und kreative Wege zu gehen. „Junge Menschen sollen Gemeinschaft erleben und die lebensbejahende Kraft des Evangeliums spüren. Dafür sind unter den Corona-Beschränkungen auch neue digitale Wege hilfreich. Und wir werden nach dem „Social Distancing“ wieder ganz neu zu schätzen wissen, was es bedeutet, sich in Gruppen real treffen zu können“, so Kuttler.

Der umfangreiche Auswertungsbericht sowie eine Zusammenfassung stehen unter

als Teil des Forschungsprojekts „Jugend zählt“ zum Download bereit.

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