05.03.2021

Sport ist ein starkes Stück Leben

Bildquelle: Martin Sanchez (Unsplash)

Was steckt hinter dem Zukunftsthema für Kirche?

Die Idee ging durch die Decke. Als im März 2020 plötzlich alles stillstand, die Corona-Pandemie alles ausbremste, Kinder und Jugendliche kaum aus der Wohnung konnten, waren viele von uns wie vor den Kopf gestoßen. Was jetzt? All das, was uns lieb geworden war, ging plötzlich nicht mehr. Auch unsere Kinder- und Jugendarbeit stand still. Wie sollte es weitergehen?

So ging es sicher auch Henning Harnisch. Zumindest einen kurzen Moment. Dann besann sich der ehemalige Basketballprofi auf seine Vision: „die Gesellschaft durch Sport besser zu machen“. Für den Vizepräsidenten von Alba Berlin, war klar: Bewegung musste weiterhin möglich sein, trotz Lock down – gerade für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Ein Anliegen das sein Club schon seit vielen Jahren mit nicht leistungsorientierten Angeboten verfolgt, um die sportliche Entwicklung von jungen Menschen positiv zu fördern. Und so rief der Verein Mitte März umgehend die tägliche Sportstunde ins Leben – und zwar online auf Youtube. #albastäglichesportstunde wurde zum viralen Hit, bis heute.

Bewegung ist gefragt

Die Frage, wie es mit unserer evangelischen Kinder- und Jugendarbeit weitergeht, ist nicht neu. Schon vor Corona war die Frage relevant, jetzt wird der neue Blick nach vorn noch dringlicher. Bleiben wir dabei mal ganz sportlich, um es konkret zu machen: Welche Rolle spielt zukünftig der Sport bei uns im Jugendwerk, im CVJM, in der Gemeinde? Wenn wir den jungen Menschen zuhören, dann können sich die meisten Jugendlichen ein Leben ohne Sport nicht vorstellen, wie die aktuelle SINUS-Studie zeigt: „Das Leben [ohne Sport] hätte weniger Sinn, man würde depressiv werden und sich körperlich nicht wohlfühlen.“ Lassen wir das einen Moment auf uns wirken. Können wir den Kids und Teens etwas bieten?

Die andere Seite ist der Blick auf die Realität ihrer Lebenswelt. Hier trübt sich die subjektive Wahrnehmung durch den wachsenden Bewegungs­mangel unter jungen Menschen ein. Aus Sicht der Gesundheitsexperten sollte, wer zwischen 11 und 17 Jahre alt ist, sich mindestens eine Stunde pro Tag bewegen. In Deutschland schaffen das 79,7 Prozent der Jungen und sogar 87,9 Prozent der Mädchen nicht. Der Grund liegt an unserer bewegungsarmen Gesellschaft, die uns alle in zunehmenden Maße betrifft. Halten wir kurz inne: Wenn wir unseren persönlichen Alltag mit der „Bewegungsbrille“ anschauen, dann lässt sich erahnen, was wir der nachwachsenden Generation hinsichtlich der körperlichen Bewegung vorleben. Welchen Grad der Bequemlichkeit erleben Sie?

Die verschiedenen Seiten des Sports

 Aber was ist eigentlich „Sport“? Da kommen unterschiedliche Assoziationen zusammen, je nach persönlichem erleben. Sport ist dabei wahrlich nicht nur positiv besetzt. Es gibt genügend Menschen, die sich von dem abgewandt haben, was sie unter dem Begriff „Sport“ am eigenen Leib erfahren haben oder von dem, was in unserer Gesellschaft vordergründig als „DAS ist Sport“ verkauft wird.

Der Schulsport ist ein klassisches Beispiel. Hier kommen junge Menschen schnell in Situationen, in denen viele Frustrationserlebnisse vor einer Gruppe haben. Dadurch kann der Schulsport kontraproduktiv sein, weil das Thema Sport und Bewegung negativ in Erinnerung ist. Sport wird dann oft mit Leistung und Bewertung in Verbindung gebracht, gerade von Menschen, die den dort verwendeten „Maßstäben“ scheinbar nicht entsprechen. Eine Assoziation, die nicht selten mit dem Vereinssport in Verbindung gebracht wird, hier verstärkt durch den Wettbewerbsgedanken und der damit meist verbundenen Selektion. Auch die dritte Säule der aktiv-erlebbaren Sportwelt, die Fitnessbranche, zeichnet ein bestimmtes Bild. Angeheizt durch das Internet gibt es einen regelrechten Kult um den perfekt trainierten Körper. Wer ihn will, muss arbeiten und leiden #workhard #fightforyourgoals #fitnessgoals.

Der Sport hat also verschiedene Seiten. Viele finden das gängige Sportverständnis gut und erleben viel Positives. Andere dagegen empfinden den Sport, vor allem den oft geforderten Sport, als Last. Welche Aufgabe haben wir also als Kinder- und Jugendarbeit, wenn es um den Sport geht?

Körpererfahrungen, die prägen

Ein Zitat des ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber aus der Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bringt uns auf eine gute Spur. Er beschreibt den Sport in einer anderen Dimension: „Sport ist ein starkes Stück Leben. In ihm verdichten sich Hoffnung und Enttäuschung, Freude und Niedergeschlagenheit, Gemeinsamkeit und Unterscheidungswille." Und tatsächlich. Egal welche Sportart ein Mensch betreibt, welches Sport-Spiel ausgeübt wird – er spürt es, es schwingt immer mehr mit, als sicht- und fassbar wird. In jeglicher körperlichen Aktivität versteckt sich ein wahrer Erfahrungsschatz, der dem Menschen im erleben des Sports zum Guten dienen kann. Ob es die Freude am Spiel ist, das wohltuende Gefühl losgelaufen zu sein, der sich wachsende Wille seine Leistung steigern zu wollen, die gute Erfahrung im Wettbewerb mit anderen zu stehen oder die Motivation den eigenen Körper an die Grenze zu bringen.

All das können wir im und durch Sport mit Haut und Haar erleben. All das sind Erfahrungen, die unserer Persönlichkeit dienen. „Menschsein ist Körpersein“ so beschreibt uns Rainer Schmidt in dem neuen Buch CROSSMOVE, das im Frühjahr 2021 bei „buch + musik“ erscheinen wird. Das was wir körperlich erleben, prägt unser ganzes Sein. Gott hat uns nach seinem Bilde geschaffen, nicht nur mit vielen Sinnen, sondern als Körper, mit Seele und Geist. Diese ganzheitliche Sichtweise prägt uns in der Breite evangelischen Kinder- und Jugendarbeit und spiegelt sich auch in den Gedanken über den Sport wieder.

Der Sport - ein wichtiger Teil von uns

Vor bald 100 Jahren setzten sich die Menschen bereits mit den Potentialen und dem Sinn des Sports auseinander. 1921 sprach man noch von „Leibesübungen“. Durch eine eigene Sportbezeichnung sollte damals deutlich werden, dass der Sport im evangelischen Kontext unter anderen „Vorzeichen“ praktiziert wird, sich also unterscheidet. Es entstand das „Eichenkreuz“. Die Gründerväter umschrieben den Charakterzug ihres Sportverständnisses mit diesem Namen so: „Eichenkreuz IST die schöpferische Neugestaltung der Leibesübungen aus christlicher Glaubensverantwortung […] und entfaltet damit Kräfte sittlicher Lebenshaltung, die nicht mit Stoppuhr und Bandmaß gemessen werden können. Eichenkreuz IST der Wille, die Leibesübungen zum wesentlichen Bestandteil einer umfassenden Gemeinschaft jugendlichen Lebens zu machen, das im Evangelium wurzelt.“* Mit anderen Worten: Jungen Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, im Sport sich als Mensch („als Körper“) zu erfahren, zu wachsen. Der Sport dient dem Menschen. In diesem „starken Stück Leben“ eröffnet sich ein Zugang zu Christus. Die Jugendwerke, CVJM und Gemeinden können diesen Sport, dieses „Eichenkreuz“ als Brücke und Format für die Kinder und Jugendlichen nutzen.

Jungen Menschen über Sport Räume öffnen

Aus diesem Sportverständnis ist viel gewachsen. In den Jahren vor der eigentlichen Namensgebung hatte diese evangelische Bewegung den Basketball- und Volleyballsport erfunden. Die Anfangszeit war zudem vom Turnen und der Leichtathletik geprägt. Heute findet die Begegnung im Sport vor allem über die Teamsportarten, jegliche Sportspiele und Outdoor-Sportarten statt. Über diese Formen kommen die jungen Menschen mit sich, mit anderen und mit Gott in Berührung. Zahlreiche Gruppierungen nehmen beispielsweise an der EichenkreuzLiga teil. Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kommen dort über den Sport mit dem Evangelium in Kontakt. Ganz natürlich, denn die Bibel steckt voller Bilder und Geschichten, die mit dem Sport-Erleben in Verbindung gebracht werden können. So haben sich mittlerweile zahlreiche Formate etabliert, die junge Menschen nicht nur sportlich begeistern, sondern auch eine Ahnung bei ihnen verbreitet, dass noch „mehr mitschwingt“, zum Beispiel im Wintersport, beim KonfiCup, im EJW-Laufteam oder bei den SportCamps. Etwas mitschwingt, dass sie im Herzen trifft, sie wertschätzt und Gottes Lebensidee für sie aufscheinen lässt.

„Sport“ ist also kein Thema nur für die Schule, die Sportvereine, die Fitness-Studios. Wir können auch Sport. Bewegung betrifft uns alle. Kinder und Jugendliche haben Interesse. Im Sport können wir Akzente setzen, die gute Wirkung zeigen. Deshalb sollte Sport Teil unserer Vision sein. Egal in Form von Sportgruppen oder dem regelmäßigen Sport in unseren Gruppen. Egal ob in Kooperation mit Sportvereinen und Schulen. Sport ist eines der Zukunftsthemen für Kirche. Wir sollten unseren Beitrag leisten. Wir haben etwas einzubringen. Zu Gunsten der Kinder und Jugendlichen. Miteinander verbunden als große evangelische Sportbewegung. Vielleicht ist gerade jetzt die Zeit pragmatisch und mutig neue Schritte zu wagen. Wie der Basketballer Henning Harnisch. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Quelle: Der Beitrag erschien in der EJW-Zeitschrift "UnterUns" (Dezember 2020)

 

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