28.03.2022

Wenn Kirche Menschen bewegt

Bildquelle: Unsplash / Jonas Jacobsson

Vorsitzender der esb zum Thema Sport, Glaube, Leistung und Kirche

Weder die Olympischen Spiele in Peking noch die Fußballweltmeisterschaft der Männer in Katar Ende des Jahres sind derzeit gelungen Aushängeschilder des professionellen Sports. Überschattet von Menschenrechtsverstößen und fragwürdigen Machenschaften der Funktionäre nehmen sie einem die Lust am Sport. Doch ist Sport nicht mehr als diese Großveranstaltungen? Wo gibt es ihn noch, den anderen Sport?

Jakobus Hartmann, Vorsitzender der Evangelischen Sportbewegung, hat sich unter anderem darüber in seinem aktuellen Beitrag in der a&b, der Zeitschrift der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gedanken gemacht. In seinem Artikel beschreibt er die Entstehung der Sportbewegung, erklärt deren Ziele und Grundwerte sowie warum Kirche und Sport gut zusammenpassen. Er ist überzeugt, dass ganz egal, ob in der Kirche oder auf dem Sportplatz: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen".

Quelle: a&b - Zeitschrift für die Evangelische Landeskirche in Württemberg, Ausgabe 2/2022

 

Sonntagmorgen = Gottesdienstbesuch?

Wie viele Menschen kommen am Sonntag in Ihren Gottesdienst? Wahrscheinlich sind es bei Ihnen auch ein paar weniger als in Vor-Corona-Zeiten, so wie in vielen Gemeinden. Kein Grund, Trübsal zu blasen, denn: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Ich denke, wir sollten uns von den Besucherzahlen in unseren Gottesdiensten nicht verrückt machen lassen. Trotzdem haben wir Grund genug zu fragen, was die Menschen, die unseren Predigten am Sonntagmorgen nicht lauschen wollen, anderes zu tun haben?! Nicht erst seit Beginn der Pandemie lautet ein Teil der Antwort: Sport! Immer mehr Menschen nutzen ihre arbeitsfreie Zeit, um Sport zu treiben, um sich zu bewegen. Joggen, Radfahren, Pumpen, Yoga usw. – nicht zu vergessen all die Mannschafts- und Ballsportarten, die Tausende von Menschen jedes Wochenende auf die Sportplätze und in die Hallen ziehen. Sonntagmorgen = Sport. Diese Gleichung stimmt bei vielen unserer Mitmenschen.

Predigen auf dem Sportplatz?

Die Kirchen könnten voller sein. Die Sportplätze und Fitnessstudios sind nicht nur am Sonntagmorgen voller Menschen. Müsste das für uns nicht bedeuten, dass wir auch auf dem Sportplatz predigen sollten? Wäre das nicht erfolgversprechender?

Für mich ist der Sonntagsgottesdienst in unseren Kirchen ein Stück Zuhause, auf das ich auf keinen Fall verzichten möchte. Aber ich bin der Meinung, dass unsere Gute Botschaft, die jede Woche in den Kirchen weitergegeben wird, es wert ist, dass sie auch anderswo erfahren werden kann. Du Mensch, bist ein geliebtes Ebenbild Gottes, befreit vom Leistungsdruck unserer Welt. Gott erachtet dich Wert, dass er selbst sich dir in Jesus angenommen hat und dich aus Gnade zu einem Leben in seiner Gemeinschaft erhöht hat. Ich bin mir sicher, dass dieses Evangelium gerade dort, wo überall Sport getrieben wird, einen Platz haben sollte.

Kirche und Sport – passt das?

Bedenke ich das Engagement von Kirche im Sport, drängen sich mir mehrere Fragen auf: Erstens: Wer soll das leisten? Sind unsere Kirchengemeinden und Pfarrämter nicht jetzt schon überlastet? Und was bringt mir und meiner Gemeinde ein Engagement im Sport überhaupt? Zweitens: Passen wir da überhaupt rein in diese Welt des rein nach Leistung urteilenden Sports? Und drittens: Sollten wir uns in Zeiten von Olympia in Peking und Fußball-WM in Qatar nicht eher aus dieser durch und durch kommerziellen Welt des Sports raushalten?

Zweifelsohne: Die Turniere in Peking und Qatar sind eine Katastrophe für viele Menschen und deren Menschenrechte. Eine Teilnahme an diesen Sportevents und sei es nur am TV, sollte nicht ohne eine Reflexion der Umstände in den Austragungsländern geschehen. Die Megaevents sind ebenso ein Desaster für den Sport selbst, weil dessen selbstgegebene Werte, wie Respekt, Fairness und Toleranz aus kommerziellen Gründen unterwandert werden und so autokratischen Regimen Vorschub geleistet wird. Damit leben die Spitzenverbände eine Haltung vor, die den Sport bis in die untersten Ebenen des Lokalsports prägt. So beschädigen sie mutwillig die eigene Basis und die ureigene Idee von Sportvereinen, die durch größtenteils ehrenamtliches Engagement Gemeinschaft stiften und dem Allgemeinwohl dienen wollen und zwar aus Gründen der Mitmenschlichkeit und der Freude an der Bewegung. Deshalb ist ein Heraushalten der Kirche aus dem Sport genau der falsche Schritt. Es muss uns darum gehen, Teil des „guten Sports“ zu sein, der Gemeinschaft stärkt, der Kinder und Jugendliche ihre Selbstwirksamkeit entdecken lässt und der Freude an den Begabungen des eigenen Körpers wachsen lässt. Diesen Sport finden wir in unzähligen Vereinen und Initiativen in unserem Land. Und ich denke, als Kirche sollten wir endlich versuchen, etwaige Milieugrenzen zu überwinden und Klischeebilder hinter uns zu lassen. Wir sollten (an)erkennen, dass auch im Sport viel Gutes für die Menschen geleistet wird.

Erprobungs- und Übungsraum

Sport ist Erprobungs- und Übungsraum für zwischenmenschliche Werte und Verhaltensweisen. Vom Kindesalter an üben wir im Spiel, wie wir auch außerhalb des Spiels miteinander und mit uns selbst umgehen. Das Vorbild von FIFA und IOC ist wohl kaum das Richtige, um unseren Kindern ein von Nächstenliebe geprägtes Zusammenleben zu vermitteln. Deshalb sollte sich Kirche, ausgehend vom biblischen Menschenbild und vom Evangelium, in den Wertediskurs des Sports einbringen und Resonanzraum für die „guten Stimmen“ darin sein. In diesem Diskurs können wir als Christinnen und Christen neue Perspektiven eröffnen. Weil der einzelne Mensch und die Gemeinschaft von Menschen im Licht des Evangeliums anders erscheinen als im Licht unserer Leistungsgesellschaft.

Ein Mensch ist mehr als seine Leistung

Hier geht es zu den Grundwerten der Evangelischen Sportbewegung.

Der gesellschaftliche Leistungsgedanke wird im Sport so explizit wie sonst selten. Im Sport spielt die Leistungsfähigkeit sowie deren Grenzen eine zentrale Rolle. Gerade deshalb muss es, ganz besonders im Kinder- und Jugendbereich, darum gehen, einen Sportsgeist (vor) zu leben, der es allen ermöglicht, ihre eigene Leistungsfähigkeit und deren Grenzen als Teil der eigenen Person positiv zu deuten. Das gelingt nicht, wenn Kinder und Jugendliche als unsportlich abgestempelt oder gar aus Vereinen und Mannschaften „aussortiert“ werden, weil sie bestimmte Leistungsanforderungen (auch in der Schule) nicht wie erwartet erfüllen können. Das führt nicht selten zu Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen, die unreflektiert negativen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung haben.

Die Leistung eines Menschen darf kein Kriterium für den Wert der Person sein. Diese u. a. christliche Überzeugung ist so wichtig und richtig, dass wir sie gerade in der Leistungsgesellschaft öfter zu Gehör bringen müssen. Denn wenn der Sport nicht durch überzogene Leistungsorientierung dominiert wird, sondern jeder, der möchte, darin Platz findet, dann kann er Raum sein, in dem Kinder und Jugendliche die Resilienz aufbauen, die sie in der Leistungsgesellschaft brauchen. Neue Impulse Spätestens hier verbinden sich der Sport und seine Möglichkeiten mit dem Anliegen kirchlicher (Jugend-)Arbeit und der Botschaft Jesu. Die Sportwelt, die so explizit mit dem Leistungsgedanken umgehen muss, braucht neue Impulse, wie sie ihm begegnen kann, ohne ihn einerseits für unwichtig zu erklären, noch ihn andererseits zu wichtig zu nehmen. Diese Impulse können und sollten wir Christinnen und Christen im Sport starkmachen. Unser Menschenbild, das jeder einzelnen Person gottgegebene Würde und Wert zuspricht und das Evangelium Jesu Christi, das uns von jeglichem Leistungsdruck befreit und uns so zum Guten motiviert, sind die richtige Basis, von der aus wir uns dieser Aufgabe stellen können.

Evangelische Sportbewegung Württemberg


Deshalb hat das Evangelische Jugendwerk im Sommer 2021 die Evangelische Sportbewegung (esb) ins Leben gerufen. Unter ihrem Dach werden sich alle Sportinitiativen und -angebote im christlich-kirchlichen Kontext vernetzen. Sie wird Plattform für Menschen aus Sport und Kirche und Impulsgeberin zugleich sein. Sie motiviert zu eigenen Sportangeboten und vernetzt Kirche mit dem organisierten Sport, multipliziert Ideen und zeichnet Projekte aus, die mit ihrer Arbeit den „guten Sport“ fördern.

Fast jede Gemeinde hat ein oder mehrere Sportvereine in ihrem Gemeindegebiet – auch Ihre. Sie werden dort engagierte Menschen finden, die, wie wir, ihre Zeit für andere einsetzen und vielleicht auch Ihre Gemeindeglieder sind. Von gemeinsamen Initiativen können beide Seiten nur profitieren, denn sie lassen neue Beziehungen wachsen und eröffnen ihrer Gemeinde Zugänge zu bisher vielleicht nicht erreichten Gruppen. Kirchengemeinden werden neu entdeckt als ein Teil der Ortsgemeinschaft, die am Leben partizipiert, da wo es stattfindet. In gleicher Weise öffnen kirchliche Sportgruppen die Kirchengemeinde für Personen, die über die klassischen kirchlichen Formen keinen Zugang fänden.

Unterstützen und beraten

Wir, die Evangelische Sportbewegung, werden Sie in Zukunft mit Ideen und Konzepten unterstützen und beraten, damit solche Initiativen Gestalt gewinnen. Und das Gute ist: Als Teil der Landeskirche sind Sie und Ihre Gemeinde bereits ein Teil der Evangelischen Sportbewegung. Brechen Sie mit uns auf, um Menschen dort zu begegnen und zu bewegen, wo sie sind.

Predigen auf dem Sportplatz – aber nicht nur mit Worten!

Predigen auf dem Sportplatz, im Fitnessstudio oder wo auch immer Sport getrieben wird? Auf jeden Fall! Aber bitte nicht nur mit Worten! Sport bietet die einzigartige Möglichkeit, Inhalte, Werte und Ideale in direktes (spielerisches) Handeln zu übersetzen. Kirche darf und sollte selbst in Bewegung sein und lernen, das Evangelium spielerisch erleb- und erfahrbar zu machen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ – egal ob in der Kirche oder auf dem Sportplatz. Lassen sie uns gemeinsam unseren neuen „Predigtort“ erkunden. Was ist Ihre Meinung? Melden Sie sich bei mir: jakobus.hartmann@ejw-sport.de

Jakobus Hartmann, Vorsitzender der Evangelischen Sportbewegung Württemberg seit 2017 und Vikar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Breitenstein-Neuweiler (Weil im Schönbuch).

 

 

 

 

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