07.05.2020 - Alma Ulmer (EJW) - Redaktion: Eberhard Fuhr (EJW)

Beten in herausfordernden Zeiten

Foto: Eberhard Fuhr (EJW)

Eine Anregung und Auswahl

Die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie dauern an. Niemand weiß, wann und wie die so ersehnte Normalität, die realen Begegnungen, das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten, unsere Freizeiten und Jungscharen, Jugendkreise, die vielfältigen Aktionen der Jugendarbeit wieder möglich sein werden. Von Woche zu Woche sind wir in Warteschleifen versetzt und merken, welche Hürden auf dem Weiterweg zu überwinden sind und dass der Umgang mit der Krise zu einem Langstreckenlauf wird. Unser Glaube und unsere Hoffnung sind damit herausgefordert.

Beten wir noch?
Finden wir noch Worte für das, was uns bewegt?
Oder lassen wir es sein, weil wir das Handeln Gottes nicht verstehen – auch wenn in diesen Zeiten unendlich kreative Angebote real und virtuell entstanden sind und weiter entstehen.

Die Sorgen und Ängste haben die Macht, unser Herz und unsere Gedanken so in Beschlag zu nehmen, dass wir in eine gewisse innere geistliche Erstarrung kommen können. Jesus begegnet ihr in manchen Heilungsgeschichten, indem er Menschen die zutiefst seelsorgliche Frage stellt: „Was willst Du, dass ich für Dich tun soll?“ Es ist die Einladung, unser Herz vor ihm auszuschütten und ihm zu sagen, was unser Herz sich wünscht. Manchmal fehlen uns auch dazu die Worte.

So kann es in diesen Zeiten hilfreich sein, sich in den Worten anderer zu bergen, sie zu den eigenen zu machen und uns dadurch erinnern zu lassen, dass nicht wir, sondern der dreieinige Gott selber dafür sorgt, dass unser Glaube gestärkt wird.

Für die Exerzitien in der Passionszeit, die jetzt in die österliche Freudenzeit übergegangen ist, haben wir in diesem Jahr Gebete zur Jahreslosung „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ gesammelt. Eines (oder auch zwei) werden in Exerzitienzeiten täglich zu Beginn der Bibeltextbetrachtungen gebetet. Ihr Anliegen ist ein zweifaches:

  • Ich wende mich mit meiner ganzen augenblicklichen Existenz an Gott und bitte ihn um sein Wirken an mir.
  • Mit diesen Worten erinnere ich mich daran, wer der Dreieinige Gott für mich heute sein will.

 

Hier eine Auswahl aus den Anfangsgebeten:

Mit großer Liebe hast du uns geliebt,
EWIGER, unser Gott.
Öffne unser Herz,
dass wir begreifen und verstehen, hören und lernen alle Worte deiner
Lehre.
Erleuchte unsere Augen mit deiner Lehre,
verknüpfe unser Herz mit deinen Weisungen,
hilf uns, deinen Namen zu lieben und zu ehren,
denn auf deinen heiligen Namen trauen wir.
AMEN.
(nach einem jüdischen Morgengebet)


Barmherziger Gott, ich glaube, hilf meinem Unglauben, rufe auch ich
Dir zu. Du kennst mein Herz in seiner Zerrissenheit, meine Gedanken in ihrem
Widerspruch, mein Hoffen und Warten auf Dein heilendes Handeln.
Berühre mein Herz und meinen Geist, damit ich nicht am Vordergründigen
stehen bleibe, sondern den vertrauenden Schritt in die Geborgenheit bei
Dir wage, auch wenn das Leben um mich und in mir tobt.
Erfülle mich mit Deinem Frieden.
AMEN.
(Alma Ulmer)

Dreieiniger Gott, ich sehe wenig Licht, aber bei Dir ist es hell.
Ich habe wenig Kraft, aber Du kannst sie mir geben.
Ich habe viele Sorgen um diese Welt, aber du hast sie in deiner Hand.
Es ist zum Davonlaufen, aber Du lässt mich durchhalten.
AMEN.
(Michael Jonas)

Jesus Christus, Du bist gekommen, damit ich in Dir das Leben in Fülle
habe. Du versprichst mir volles Genüge, auch in dürren Zeiten, weil meine
Lebenswurzeln mit Dir, dem lebendigen Wasser, verbunden sind. Lass
mich im Vertrauen auf Dich, meinen Weg gehen. Begegne Du meinem
Zweifel mit der Geduld Deiner Liebe.
AMEN.
(Alma Ulmer)

Gebieter über das All, lobe ich. Dich preise ich und danke dir für mein
Leben. Dich, menschenfreundlicher Herr, bitte ich: Lenke mich in Deine
Gegenwart und lass meine Gedanken nicht abirren zu schlechtem Reden
und Sinnen, sondern befreie mich von allem, was meiner Seele schaden
kann. Zu Dir, Herr, erhebe ich meinen Blick, und auf Dich setze ich meine
Hoffnung. Denn Dir gebührt aller Ruhm, alle Ehre und Anbetung, Dir, dem
Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und allezeit und von Ewigkeit
zu Ewigkeit.
AMEN.
(nach einem Gebet der Russisch-Orthodoxen Kirche)

Öffne mein Herz für Dein Geheimnis, das sich überall bezeugt; behüte es
vor der Verführung, die von ihm ausgehen kann. Mache mein Gewissen
sicher, dass es allezeit das Gute gut nenne, und das Böse bös. Erleuchte
meinen Geist, dass er zu unterscheiden vermöge, was zu Dir, dem wahrhaft
Heiligen hinführt, und was von Dir wegführt in Irre und Trug.
AMEN.
(Romano Guardini)

Wie gerne lebe ich mit dir, HERR!
Wenn mein Geist nachlässt und nichts mehr versteht,
wenn selbst die Klügsten nicht mehr über den Zaun des Tages hinausblicken,
dann gibst du mir die leuchtende Gewissheit deiner Gegenwart – und
sorgst dafür, dass nicht alle Wege zum Guten versperrt werden. Lass sie
mich heute entdecken.
AMEN.
(Alexander Solschenizyn)

Dein Auge, Ewiger, durchdringt alle Finsternisse, die uns umgeben. Dein
Licht, HERR, erleuchtet unser Leben. Du weißt, was mich bedrückt und beschwert
und wonach ich mich sehne. Vor deinen Augen und den Gedanken
Deiner Liebe über mich, muss ich mich nicht verstellen. Berühre mich und
lass mein Leben heute in deinem Licht aufstrahlen.
AMEN.
(nach Arend de Vries)

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