07.11.2016

Nachruf Hans von Keler, Leiter des Mädchenwerks 1957 - 1963

Ende September 2016 ist der frühere Landesbischof Hans von Keler im Alter von 92 Jahren verstorben. Vor seiner Wahl zum Bischof 1979 wurden ihm eine ganze Reihe von Diensten und Ämtern übertragen: Er war Gemeindepfarrer, dann leitender Pfarrer der Herrenberger Diakonieschwesternschaft, schließlich Prälat von Ulm - und dazwischen - von 1957 -1963 Leiter der Landesstelle des Evang. Mädchenwerks in Württemberg.

Als sein damaliger Nachfolger in der Leitung des Mädchenwerks wurde ich gebeten, etwas über sein Wirken im Jugendwerk zu schreiben.

Ich höre noch den angenehmen Sprachklang seiner Heimat Bielitz-Biala, einer Stadt mit deutscher, evangelischer Tradition, im Grenzgebiet zwischen Slowakei und Polen, bis 1919 österreichisch. Ursula Schmidt-Goertz schreibt im Lebensbild über Hans von Keler, dass er - von dort stammend - "nichts vom österreichischen Charme, von der Gelassenheit, dem Humor verloren" habe.

Der Nicht-Schwabe in der Württembergischen Landeskirche und dem schwäbisch geprägten Jugendwerk!? Hans von Keler hat sich mit Geschichte und Eigenart der Evang.-Iutherischen Landeskirche in Württemberg so vertraut gemacht, dass er sie am Ende als seine Kirche geliebt, mit ihr gelitten hat. So hat er sich auch entschieden und dankbar für das württembergische Eigengewächs "Freies Werk im Raum der Kirche" eingesetzt. Jugendarbeit hat in Württemberg ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert in der Initiative und in der Fürsorge aktiver Christen für junge Menschen, bevor man in der Kirchenleitung die Not erkannte. Im
Respekt vor dieser württernbergischen Besonderheit hat Hans von Keler das freie Jugendwerk, das von der Kirchenleitung nicht weisungsabhängig ist, aber im gegenseitigen Vertrauen arbeitet, entschieden bejaht - auch als er später als Bischof "auf der anderen Seite" war.

Als er 1957 die Leitung der Landesstelle des Mädchenwerks übernahm - sein Vorgänger war Pfarrer Martin Schubert - bekam er ein Team von einsatzfreudigen und begabten Mitarbeiterinnen. Diese waren zuständig für die Arbeit mit Mädchenkreisen, Jungscharen, Schülerarbeit, Pfadfinderinnen, für die Organisation des Reisedienstes und der Landesfreizeiten. Zum Team gehörten auch die Leiterinnen der Haushaltsschulen in Ebingen und Bad Schachen. In einer Klausurwoche in Schmie oder Unterjoch, bei der alle Mitarbeiterinnen zusammen waren, wurde die gesamte Planung der Arbeit im Jahr besprochen. In seinem eigenen Arbeitsstil war Hans von Keler diszipliniert und ebenso diszipliniert und straff - so erzählen es die Referentinnen - war seine Art der Leitung.

Im jährlichen "Freizeit-Vorbereitungstag" - vermutlich von Hans von Keler eingeführt- wurde die Arbeit der Landesstelle und ihrer Mitarbeiterinnen im Konzentrat anschaulich. Landesweit eingeladen waren dazu ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter, Pfarrfrauen und Pfarrer, die in der Jugendarbeit engagiert waren. Für mich selbst war dieser Tag - ich war einige Male dabei - ein Erlebnis. Was war da alles geboten: Handreichungen für das Gespräch über Lebensfragen, Buchvorschläge mit Lesungen, Spiele, Volkstanz. Und dann die unvergessenen Handreichungen, die Hans von Keler für das Gespräch mit der Bibel darbot: klar, verständlich, Christus-orientiert, ohne evangelistische Rhetorik, mit offenem Blick zur Welt der Gesellschaft, Literatur und Kunst.

Zum letzten Mal bin ich Hans von Keler begegnet, als wir mit ihm zusammen versuchten, die Tagungsstätte und das liebe Jugendhaus in Schmie zu retten. Helmut Pfeiffer, Martin Schubert, Gerhard Elser waren dabei. Das war in den Jahren 1999-2000. Hans von Keler war damals schon seit zehn Jahren nicht mehr im Amt des Landesbischofs. Wir konnten das Hergeben von Schmie nicht verhindern. Vielleicht, vielleicht wäre es anders gekommen, wenn der führungsstarke und weitschauende Hans von Keler damals noch im Bischofsamt gewesen wäre.

Rückblickend sage ich: Wir sind Gott dankbar für das Wirken von Hans von Keler in unserem Württembergischen Jugendwerk.

Traugott Scheytt

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