19.11.2020 - Eberhard Fuhr (Pressesprecher des EJW)

Beziehungen pflegen – Jugendarbeit vor Ort stärken

Tina Dautel, Stellvertretende Vorsitzende des EJW, moderierte die erste digitale Delegiertenversammlung des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (Foto: Eberhard Fuhr – EJW)

Beim Livestream-Gottesdienst stellte Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die Jahreslosung 2020 in den Mittelpunkt und spannte eine Brücke zur Jahreslosung im nächsten Jahr (Foto: Eberhard Fuhr – EJW)

Tobi Wörner (Landesreferent Gemeindegründungen Junge Erwachsene) und Lilav Hannnan (Landesreferentin Vielfaltskultur) wurden beim Gottesdienst zur Eröffnung der Delegiertenversammlung in ihre Ämter eingeführt (Foto/Screenshot: Stephanie Schwarz - EJW)

Vorstand des EJW stellt strategische Handlungsfelder für die kommenden Jahre vor

Bei der Delegiertenversammlung des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) am vergangenen Samstag, die in diesem Jahr digital durchgeführt wurde, hat Ulrich Steinestel, Stellvertretender Vorsitzender des EJW, vor 147 Delegierten die fünf strategischen Handlungsfelder des größten konfessionellen Jugendverbands in Baden-Württemberg vorgestellt. Danach möchte das EJW in den kommenden drei Jahren verstärkt geistliches Leben ermöglichen, in Menschen und Beziehungen investieren, Freiräume für neue Erprobungsfelder schaffen, die Bezirksjugendwerke als wesentliche Träger einer zukunftsfähigen Jugendarbeit weiter fördern und die Arbeit mit Kindern stärken. Steinestel berichtete auch, dass sich der Vorstand mit einer „personalbezogenen Zielstellenkonzeption“ für die EJW-Landesstelle beschäftige, die den absehbaren rückläufigen finanziellen Mitteln und den Zielen des EJW gerecht werden soll. „Hier zeichnen sich schon jetzt schwierige Entscheidungen ab“, so Steinestel. Eröffnet wurde die Delegierten durch einen Gottesdienst mit Landesbischof Frank Otfried July und der Einsetzung von  Lilav Hannan und Tobi Wörner in ihre Arbeitsfelder.

„Reden, reden, reden“

Cornelius Kuttler, der Leiter des EJW, stellte in seinem Bericht die Ergebnisse einer aktuellen Studie zu den Auswirkungen Corona-Pandemie auf die Evangelische Jugendarbeit vor. Diese helfe, auf der einen Seite einen realistischen Blick zu bekommen, aber auch mutig innovative und kreative Wege zu gehen. „Als Jugendarbeit leben wir hoffungsvoll, weil wir im Auftrag von Jesus Christus unterwegs sind,“ so Kuttler. Die Evangelische Jugendarbeit stehe als Mitglied im Landesjugendring im Spannungsfeld zwischen dem, dass die Politik die außerschulische Jugendbildung vom Teil-Lockdown ausgenommen habe, aber auch in der Verantwortung, dass sich die Pandemie durch die Angebote der Jugendarbeit nicht weiter ausbreite. „Hier gibt es keine Patentlösungen, sondern nur verantwortungsvolles Abwägen“, so Kuttler. Die Evangelische Jugendarbeit müsse transparent sein und die Entscheidungen begründen. „Wir müssen reden, reden, reden. Mit den Kirchengemeinden, mit den Kommunen, mit den Eltern und mit den Kindern und Jugendlichen. Wir müssen auch von unserer Hoffnung und unserer Verantwortung sprechen. Lasst uns nah an den Menschen dranbleiben – auch wenn wir Abstand halten müssen“.

Dieter Braun, Fachlicher Leiter des EJW, zeigte in seinem Bericht auf, wie vielfältig die Landesstelle des EJW seit März 2020 auf die Herausforderungen durch die Einschränkungen der Corona-Verordnungen reagiert habe. Er verwies auf den Blog www.zuhauseumzehn.de, der schon am 17. März 2020 online war. Auch für die Sommerfreizeiten, die Corona bedingt in diesem Jahr nicht durchgeführt werden konnten, entwickelte das EJW mit dem „5-Sterne-Sommer“ mehrere ausdifferenzierte Angebote mit komplett ausgearbeiteten Ferienwochen-Konzepten und verschiedenen Livestream-Angeboten. Diese Angebote stießen auf ein hohes Interesse. Für die kommende Winterzeit kündigte Braun ein „4-Sterne-Unterstützungsprogramm“ an, das speziell auf Jugendliche zugeschnitten sei. „Wir wollen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen das Beste erreichen für Jugendliche im Land“, so Braun. Das EJW möchte die Jugendlichen dabei hinter dem Computer hervorholen, sie aktiv werden lassen und mit dem Evangelium erreichen. Braun wies darauf hin, dass die evangelische Jugendarbeit weiter in einem Veränderungsprozess sei, der lang vor Corona begonnen hätte. Dieser habe sich in den letzten Monaten jedoch beschleunigt.

„Corona-Pandemie wirkt als Brandbeschleuniger“

Im Bericht zur Haushaltsplanung ging Friedemann Berner, Geschäftsführer des EJW, auf die finanziellen Perspektiven des EJW ein. Im Rechnungsabschluss für 2019 könne durch verschiedene Effekte ein positives Ergebnis (+ 70.557,94 €) verzeichnet werden, aber schon der Haushaltsplan 2021 weise ein Defizit (Plan – 46.000 €) auf, das strukturell bedingt sei. In den nächsten Jahren werde sich dies noch verstärken. „Während die Corona-Pandemie aus finanzieller Sicht für die Kirche und das EJW allenfalls als Brandbeschleuniger wirkt, führten die Ergebnisse der von den Kirchen beauftragten Projektion 2060 zum eigentlichen Erwachen. Demnach wird sich bis 2060 die Zahl der Kirchenmitglieder unserer Landeskirche halbieren“, so Berner. Schon bis 2030 zeichne sich hierdurch ein Einnahmenrückgang von bis zu 30 Prozent ab. Deshalb müsse auch im EJW eine Reduzierung des Personals schon jetzt in den Blick genommen werden. „Es geht aber nicht zweckfrei um Einsparungen oder gar um einen Rückbau. Wir möchten weiter mit Realismus unterwegs sein und gleichzeitig hoffnungsvollen Spuren nachgehen und dabei auch finanzielle Akzente setzen“, so Berner in seinem umfangreichen Bericht.

Bezirksrahmenordnung verabschiedet

Neben dem Rechnungsabschluss 2019, dem Haushaltplan 2021 und der Entlastung des Vorstands verabschiedeten die Delegierten nach langjährigen Beratungen auch die neue Bezirksrahmenordnung. Sie enthält auch Regelungen zu virtuellen Sitzungen und ist verbindlich für Aufstellung und Änderung der Ordnungen der Bezirksjugendwerke, lässt aber auch genügend Spielraum für die Belange der einzelnen Bezirksjugendwerke. Diese müssen jetzt bis spätestens 31. Dezember 2022 ihre Ordnungen anpassen und dem EJW, sowie den Evangelischen Kirchenbezirken zur Zustimmung vorlegen.

Alt genug - Wählen mit 16

Bei Kommunalwahlen in Baden-Württemberg gilt das aktive Wahlrecht für junge Menschen ab 16 Jahren, bei den Kirchenwahlen in der Evangelischen Landeskirche darf bereits ab 14 Jahren gewählt werden. Viele Entscheidungen auf Landesebene haben unmittelbar Auswirkungen auf die Lebenswelt Jugendlicher, beispielsweise in der Bildungspolitik. Vor diesem Hintergrund haben die Delegierten des EJW mit großer Mehrheit einem Antrag zugestimmt, die Forderung eines breiten Bündnisses zur Senkung des Wahlalters bei Landtagswahlen in Baden-Württemberg zu unterstützen.

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Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) bietet als Landesstelle sinnstiftende Angebote, Veranstaltungen und Dienstleistungen für Jugendwerke in Orten und Bezirken, aber auch für Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Erwachsene und Familien. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (EJW) ist die Zentrale für die evangelische Jugendarbeit in Württemberg und arbeitet selbstständig im Auftrag der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.


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