Fünf sind ein Quintett. Fünf waren in der Lutherstadt Wittenberg. Fünf spielen im Jubal-Brass-Quintett (JBQ). „Jubal“ ist der Name des ersten in der Bibel erwähnten Musikers (1. Mose 4, 21).  Die inzwischen durchaus alten Herren bringen insgesamt fast 320 Jahre Erfahrung als Posaunenchorbläser mit. „Hallenkapitän“ Dieter Hödl nannte uns: „Schwäbischer Posaunendienst der Senioren“.

Wir sind: Wolfgang Elsässer (Bad Boll), Trompete und Flügelhorn, Hanns-Martin Weber (Ebersbach-Weiler ob der Fils), Trompete und Flügelhorn, Reinhold Sander (Dettingen unter Teck), Flügelhorn, Hermann Kling (Aichelberg), Euphonium, und Hermann Schrag (Heiningen), Posaune. Wir kennen uns seit einer Bläserfreizeit und spielen mindestens einmal im Monat zusammen. Treffpunkt zum Üben ist Heiningen, und Hermann Schrag, der Gastgeber, ist auch Manager und Ansprechpartner. Denn das Quintett ist gefragt! Es spielt zu Gottesdiensten, bei Beerdigungen, zu Feiern und Festen. Und jetzt, vor wenigen Tagen, nämlich vom 6. bis 11. August 2017, auch noch in Wittenberg, und zwar im Rahmen der Weltausstellung „Reformation“ in der Württemberger Halle. „Württemberg in Wittenberg“, steht zu Wiedererkennung über den Räumen der Schmiede an der Ecke Fleischerstraße / Kupfergasse, nicht weit von den touristischen Attraktionen, die die Stadt im Lutherjahr („500 Jahre Reformation“) zu bieten hat.

Diese Schmiede ist ein historischer Ort. Sie war der Arbeitsplatz von Stefan Nau und der Ort, an dem er seine Aktion vorbereitete: „Am 24. September 1983 fand während eines evangelischen Kirchentages in Wittenberg auf dem Lutherhof eine symbolische Aktion statt: Der örtliche Schmied Stefan Nau schmiedete vor etwa 4000 Teilnehmern ein Schwert zu einer Pflugschar um. Wegen der Präsenz von westlichen Medienvertretern und Richard von Weizsäcker als Gast griffen die Staatsorgane nicht ein. Manche Quellen sprechen die Idee zu dieser Aktion Stefan Nau selbst zu; Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche Wittenberg, trug die Initiative dazu mit. …“ (wikipedia) Stefan Nau wurde nach einigen Repressalien aus der DDR ausgewiesen. Er lebte später in Nagold und starb 2011. Im Nebenraum der Ausstellung wurde an die Friedensaktion erinnert – in Kooperation mit dem örtlichen „Lions-Club“. Diesen Ort hatte sich die Evangelische Landeskirche in Württemberg ausgesucht, um unter anderem die Reformationsgeschichte des Landes der Öffentlichkeit nahezubringen.

Die Halle bot im Ausstellungsbezirk „Torraum 6“ Exponate und Texte zum Themenbereich „Ökumene und Religion“.  „… da ist Freiheit!“ Das Motto prangte an den Wänden und Mauern. Und mit Absicht oder Versehen? – auch unter einem WC-Hinweis.    Und an der Außenmauer hatten -  kontrapunktisch zum Thema Ökumene – Narrenhände mit Sprayfarbe geschrieben „Schwaben raus“, notdürftig von anderen korrigiert zu „Schwaben r-aus-ein.“

Aber innen hieß es: „Unterwegs zu den Anderen“. Weltmission und Ökumene gaben die Stichworte – z.B. zu den täglichen Andachten. Denn es gab  (außer am Dienstag, dem Reformations-Ruhetag) die täglichen Mittagsandachten. Pfarrerin Eva Ursula Krüger aus Friedrichshafen verband die Meditation mit Informationen aus der chinesischen Geisteswelt. Sie erläuterte Schriftzeichen und Symbolgegenstände und konnte so darstellen, wie Gott uns oft gerade im Fremden begegnet. Landesbischof i.R. Eberhardt Renz berichtete von seinen Erfahrungen aus der Missionsarbeit und der Ökumene, wie sich im Kontakt mit anderen, oft alten Kulturen die Perspektiven und Anschauungen verändern und relativieren. Renz war bis 2001 Landesbischof in Württemberg und 1998 einer der Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Ein Großmonitor und Videoclips begleiteten ständig mit Bildinformationen und Interviews den Besuch in der Halle. Und da war auch noch eine Wand zu bewundern: „der hängende Weinberg“ – Weinlaub und Weinflaschen in ein großes Netz geflochten.
   Außen ragten waagerecht Bäume aus der Wand. Sie drehten sich von Zeit zu Zeit. Eine Art Experiment: Das Laub wuchs gleichmäßig und wäre damit geeignet, auch in öde „Betonwüsten“ einmal frisches Grün hineinzutragen.

Die Fünf vom JBQ präsentierten sich hier mit kleinen Konzerten von jeweils ca. 45 min Länge:
3 Matineen, 2 Serenaden. Außerdem traten die Bläser am Donnerstag ihrer Tour vor dem Rathaus auf dem Marktplatz auf. Dort gab es eine große Bühne, und viele Passanten und Touristen lauschten unserer Musik – von Barock über Klassik und Romantik bis zu Swing und Pop. Die meisten Stücke waren auf Martin-Luther-Lieder bezogen.

Das JBQ hatte während der Zeit bei der Weltausstellung Reformation auch noch ein „Privatleben“ ohne terminliche Pflichten. Drei Mitbläser wurden von ihren Ehefrauen begleitet. So gingen wir dann zu acht auf „Sightseeing“. In der „dienstfreien“ Zeit warfen wir einen Blick auf die Zeugnisse der Reformationsgeschichte: das Luther-Haus, das Melanchton-Haus, die Werkstätten von Lukas Cranach. Wir wurden durch die Schlosskirche mit der Thesentür geführt. Nicht alles haben wir gemeinsam unternommen. Es gab auch Gelegenheit, den eigenen Interessen zu folgen, z. B. um zu sehen, mit welchen Themen sich andere Landeskirchen präsentierten. Eine besondere Attraktion für alle war das große Panoramabild von Yadegar Asisi – ein „Wimmelbild“ zu Wittenberg im Jahre 1517. Und am Mittwoch besuchten wir ein Konzert, das im Rahmen eines Kongresses der Luther-Universität („Leucorea“) veranstaltet wurde – ein Abend mit Reformations-Musik von Telemann, Schütz, Bach und Mendelssohn-Bartholdy.

Am Ruhetag fuhren wir mit dem Miet-VW-Bus nach Torgau. Neue Aspekte der Reformation ergänzten die bisherigen Informationen. Wir sahen Schloss Hartenfels mit seinem Turm, der Außen-Wendeltreppe und der Schlosskapelle (Schlosskirche), die Luther 1544 eingeweiht hat. Die Kanzel an der Längsseite hebt die Bedeutung des gepredigten Wortes für die Gemeinde hervor (zu Luthers Zeiten hatten die Kirchen noch keine Bestuhlung; die Besucher lauschten – und diskutierten auch – stehend). Die Orgel – prachtvoll oberhalb des Altars. Eine Stadtführung. brachte uns an weitere Orte der Reformation. Wir sahen das Haus, in dem Katharina von Bora starb, und die Marienkirche, in der sie begraben liegt (ohne dass man genau weiß,  an welcher Stelle). Eine besondere Entdeckung war ein neu eröffnetes Museum, wo Georg Burkhardt = Georg Spalatin und Johann Walter lebten. Ein Stimmerkennungsautomat prüfte im Sinne des musikalischen Lutherfreundes Walther unsere Eignung für seine Kantorei. Der Automat urteilte meistens, die Stimmen „krähten wie ein Hahn am Morgen“ – es gab also noch Übungsbedarf. Aber zwei von uns wären tatsächlich auch ohne Üben direkt vom Automaten in den Chor übernommen worden. Kantor Ekkehard Saretz hatte seinerseits dem Gerät seine Stimme geliehen. Es wäre sehr interessiert gewesen zu wissen, wie es seine eigene Stimme beurteilt hätte …

Es ist seltsam, dass in Wittenberg der genannte Georg Spalatin kaum erwähnt wurde. Außer bei der Führung durch die Schlosskirche wurde er nicht erwähnt. Dabei war er einer der „Drahtzieher“ der Reformation, als es darum ging, für die Ideen Martin Luthers bei den Fürsten zu werben – speziell bei Friedrich III. dem Weisen von Sachsen, der in Schloss Hartenfels, Torgau, geboren wurde.

Am Freitag fuhr das Quintett zurück – das Ende einer „Dienstfahrt“.

Die Posaunenchorarbeit in Württemberg wird vom Evangelischen Jugendwerk getragen. Und sie hält jung! Fünf alte Herren, fast 320 Jahre Posaunenbläsererfahrung, repräsentierten in Wittenberg die Evangelische Jugend von Württemberg!

Reinhold Sander

 

 

Eine Bläser-Begegnungsreise im Juni 2017

So lautete der Titel der Freizeit für Bläserinnen und Bläser, Familien und Einzelpersonen in den Waldensertälern im Juni 2017. Und im Untertitel wurde dieses Vorhaben in verführerischen Lettern angepriesen: Die Freizeitteil­nehmer erwartet im schönen Piemont gemeinsames Musizieren, das refor­matorische Denken der Waldenser und das süße Leben in Italien.

Diese Versprechungen sind wirklich bestens erfüllt worden.

Eine bunte Gruppe aus musizierenden und musikbe­geisterten Leuten hatte sich angemeldet, schwerpunktmäßig aus den Regionen Leonberg und Herrenberg. Einige der Teilnehmer hatten sogar schon mehrfach dieses Reiseziel und das Bläsertreffen mit dem klangvollen Namen „Raduno Trombettieri“, ausgewählt.

 

Das gemeinsame Musizieren

Gesamtverantwortlich wurde das „Raduno Trombettieri“ von Dario Paone, Chorleiter des einzigen Posaunenchors der Waldenserkirche Italiens, organisiert und durchgeführt.

Dabei brachte sich auch unsere gut besetzte Bläsergruppe mit 18 Personen aus der Württembergischen Bläserarbeit ein. Die musikalische Leitung unserer Gruppe teilten sich Albrecht Schuler, Mario Ratsimba und Helmut Nonnenmann.

 

Bei dem viertägigen Bläsertreffen, das bereits zum vierten Mal stattfand, musizierten insge­samt vier Gruppen und noch weitere Bläser einzeln und gemeinsam Werke aus verschiede­nen Zeitepochen. Allesamt Freunde der Bläser­arbeit in den Waldensertälern. Neben den gastgebenden Trombettieri aus dem Pellice Tal, waren erneut die „Ambrassadeurs“ aus den Cevennen in Frankreich gekommen, sowie zwei Bläsergruppen aus Baden. 

So ertönten vier Tage lang kräftige Klänge u.a. bei Konzerten im „Tempio Valdese“ in Torre Pellice, open air auf der Vaccera (ein Pass im Angrognatal mit herrlicher Aussicht) sowie auf zentralen Plätzen, wie etwa im Stadt­zentrum von Pinerolo und als Abschluss auf der Piazza Muston in Torre Pellice.
Aber auch der Besuch eines Altersheims mit einem Ständchen für die Bewohner mit dankbar begeisterten, mitsingenden Zuhörern sowie das Musizieren in Gottesdiensten durfte im Programm nicht fehlen.

 

 

 

Die Begegnungen mit der Geschichte der Waldenserkirche

Wertvolle Erläuterungen und Informationen zum Leben und Glauben, den Wurzeln und der Geschichte der Waldenser konnten wir an vielen Plätzen durch unsere sach- und ortskundigen Reiseleiterin Dorothea Vinçon entdecken.

Gebündelte Informationen gab es zu vielen Fragen im Museum, der Casa Valdes und in Kirchen wie z.B. in Ciabas, der ältesten erhaltenen Kirche der Waldenser, deren Außenansicht nicht auf eine Kirche schließen lässt. Einblicke in die Waldensergemeinde von Luserna San Giovanni und was es bedeutet heutzutage Waldenser zu sein, wurde uns vom dortigen Pfarrer vermittelt; sehr beeindruckend. Eindrücklich waren auch die historischen Stätten im Angrognata, wie die gut getarnte Höhlenkirche, die sehr spartanisch ausgerüstete Barbenschule in Pra del Torno, die winzige Dorfschule in dem Bergdorf Odin. Aber auch das „neue“ Haus des Friedens, das zuerst von einer Partisanengruppe genutzt wurde und dann von der Waldenserkirche gekauft und restauriert wurde und als Begegnungsstätte für Freizeitengruppen dient. Manche der Stätten waren nur über Bergwege zu erreichen, sodass wir auch die herrliche Bergwelt der Cottischen Alpen und die Abgeschiedenheit der vielen Berge, Täler und Bäche bei schönem Frühlingswetter genießen konnten.

So fanden wir dann tatsächlich auch das abseits im Wald gelegene Gehöft von Josua Janavel. Wer wollte, konnte in Janavels Geheimversteck in seinem Haus kriechen, um ein wenig nachempfinden zu können wie es wohl gewesen sein musste, wenn sich Waldenser bangend, abwartend vor ihren Verfolgern in Sicherheit brachten.

Dessen nicht genug, machten wir eines Abends auch noch einen „Ausflug“ nach Sizilien. Eine ehemalige Mitarbeiterin berichtete von ihrer Arbeit in zwei diakonischen Einrichtun­gen der Waldenserkirche: „La Noce“ in Palermo und „Servizio Cristiano“ in Riesi. Wir hörten und sahen wie Glaube ganz praktisch für die Ärmsten und Schwächsten gelebt wird und wie wichtig diese Arbeit der Waldenser ist.

Auch das Chisonetal haben wir besucht. Viele Waldenser aus einem Teil dieses Tals sind vor mehr als 300 Jahren wegen ihres protestantischen Glaubens dort vertrieben worden und siedelten sich in Württem­berg, aber auch in Baden, Hessen und darüber hinaus an. Unter großen Entbeh­rungen haben sie neue Gemeinden aufge­baut deren Namen – wie Perouse, Pinache, Serres … – zeugen noch heute von der Glaubensgeschichte der Waldenser.

 

Das süsse Leben in Italien

Für unser leibliches Wohl sorgte das geniale Team der Foresteria, des Gästehauses der Waldenserkirche in Torre Pellice. In den dortigen Räumlichkeiten konnten wir unsere Tage mit gemeinsamen Andachten starten und abschließen und uns durch leckeres, regional typisches Essen / Getränke sehr verwöhnen lassen. Bei den Begegnungen auf historischen Plätzen fand eine sehr herzliche Atmosphäre mit den Bewohnern der Region und den Festbesuchern statt. Es gab wahrhaft reichlich Zeit für solch freundschaftlichen Austausch und bei lauen Abenden konnten wir das originale italienische Eis kosten. Sogar über den Markt, welcher direkt vor unserer Haustür begann, konnten wir schlendern.

Unsere Gastgeber zeigten sich als wahre Meister in der Präsentation leckerer Gerichte. Schon am ersten Begegnungs­abend wurde Leckeres kredenzt, gesteigert allerdings noch durch den reich gedeckten Tisch am Abschlussabend mit allen Teilnehmern des „4. Raduno Trombettieri“ im Gemeindezentrum in Villar Pellice. Das reichhaltige Essen war für uns mit sehr viel Liebe vorbereitet und serviert worden.

Ein besonderes Highlight unserer Reise erwartete uns im idyllisch gelegenen Bergdorf Usseaux – ein mehrgängiges Mahl in der urigen Dorfgaststätte, das uns in die fröhliche Lebensweise unserer italienischen Freunde sehr schmackhaft eingeführt hat.

Unsere Fahrt hatte großen Erholungswert auch dank des unermüdlichen und umsichtigen Einsatzes unseres Busfahrers und Mitbläsers Thomas Frank.

Insgesamt blicken alle Freizeitteilnehmer auf eine sehr eindrucksvolle Zeit mit Bläserdiensten und Bläserbegegnungen zurück, die im Gedenkjahr der Reformation für eigene Glaubens- und Lebensfragen einen guten Impuls gesetzt hat.

Dieser Bericht kann allerdings einen eigenen Eindruck über die Arbeit der Waldenser nicht ersetzen. So wird es voraussichtlich in ein paar Jahren wieder Gelegenheit geben, eine Bläserfahrt in die Waldensertäler mitzuerleben.    

 

Für das Freizeitleitungsteam

Helmut Nonnenmann
Stv. Bezirksposaunenwart Bezirk Leonberg

 

Ruft der Chorleiterlehrgang auf dem Bernhäuser Forst, ruft gleichzeitig eine Woche, die immer viel zu schnell vorbei geht. Und es gibt dort so viel zu erleben, mitzunehmen, zu erfahren,…

Das sieht man gleich beim Eröffnungsabend. Choräle können ziemlich eintönig sein, wenn man sie immer nur nach dem Schema F spielt. Zeit zum Kennenlernen der übrigen Teilnehmer und verschiedener Choräle bot der erste Abend auf dem Forst. In verschiedene Gruppen eingeteilt, ging es von Station zu Station. Mal einen Choral von hinten nach vorne spielen oder gar das Choralbuch auf den Kopf stellen, war eine Möglichkeit, beispielsweise „Wunderbarer König“ auf neue Art und Weise zu performen. Den Bachchoral „Nun danket alle Gott“ können die meisten Bläser auswendig – gehört er schließlich nicht nur zum Landesposaunentag in Ulm dazu, sondern bestimmt auch sonst oft das Leben eines Bläsers. Wie gut man die Noten auswendig spielen kann, durfte dann jeder im Dunkeln unter Beweis stellen. Und höre und staune: es funktioniert! Das muntere Choralkennenlernen ging noch weiter: ein Doppelchor mit Bläsern vor dem Haus und auf der oberen Terrasse, Klänge hören, wenn man im Raum verteilt ist oder gar die Zuteilung eines Tons. Aneinandergereiht ergeben die Töne dann ein Lied. Oder beim Gehen spielen – und der jeweilige Gegenüber trägt die Noten. Da ist Reaktion gefragt.

Der Workshop am Samstag war rammelvoll. Der Grund: neue Noten, vorgestellt vom Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann. Die „Posaunenklänge“ begleiten jeden Bläser von klein auf bis ins hohe Alter. Doch der Klassiker unter der Bläserliteratur wird nicht mehr aufgelegt. Trauer auf der einen Seite, Zeit aber auch für etwas Neues. So haben in diesem Jahr die „Bläserklänge“ den Ton auf dem Chorleiterlehrgang angegeben. Darin enthalten: Klassiker der Bläserliteratur, ebenso wie Bearbeitungen, die erst in den vergangenen Jahren auf den Markt gekommen sind. Einstige vielstimmige Sätze wurden so bearbeitet, sodass sie nun auch von kleineren Chören spielbar sind – da nur noch vier- bis sechsstimmig. Vornehmlich aus dem neuen „Wälzer“ wurde auch das Programm des Festabends gestaltet – klassisch bis modern, Lobpreislieder oder Radetzky-Marsch, das Große Hallelujah oder ein zartschmelzendes Adagio. Zwischendurch der Schwäbische Posaunendienst. Der Abend wurde ein Hörgenuss. 

Am Sonntag war dann der leitende Obmann des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland e. V. (EPiD) zu Gast. Er versuchte uns nicht nur den EPiD nahezubringen, sondern informierte über die Großveranstaltungen der nächsten Jahre, allen voran den Deutschen Posaunentag 2016 in Dresden und die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum in und um Wittenberg.

Aus den Leistungsgruppen nehmen die Chorleiter ebenfalls viel mit: Dirigieren ist mehr als nur Taktgefühl, sicher vor dem Chor stehen oder Probe vorbereiten. Denn was kann ich an meinem Stil zum Beispiel ändern? Die Referenten und Mitarbeiter (Agnes-Dorothee Lang, Michael Püngel, Albrecht Schuler, Hans-Ulrich Nonnenmann, Brigitte Kurzytza, Regina Graeber, Friedrich Veil, Lars Gaupp und Irmgard Eismann) greifen da zu alternativen Erziehungsmethoden für die Chorleiter. Denn seit dem letzten Chorleiterlehrgang haben sich doch wieder einzelne Marotten eingeschlichen. Entweder werden die Dirigenten gleich mit der Videokamera gefilmt oder gehen in die Einzelberatung für Schlagtechnik. Falls das auch nichts hilft, müssen moderne Methoden her. Wer mit dem Oberkörper zu viel wippt oder zu weit nach vorne geht, bekommt auch mal ein Buch auf den Kopf gelegt. Der Kopf zu sehr in den Noten? Ein guter Dirigent kann doch auswendig Einsätze geben – und flugs ist der Notenständer leer, der Blick des  Chorleiters auf seine Bläser gerichtet und alles wirkt viel freundlicher. Eigenwillige Tanzstile können ebenfalls nur zu leicht unterbunden werden – mutige Referenten hängen sich an Beine oder Oberkörper des Chorleiters und mit einem Mal kann er still stehen. Das so etwas nicht ohne Lachen und sowieso mit viel Humor und Augenzwinkern vor sich geht, steht außer Frage. Aber so macht es eben auch Spaß.

Die Galater standen im Fokus der Bibelarbeit. Was sich zunächst als trockene Gesetzestexte anhört, wurde in dieser einen Woche doch durchaus lebendig an die Zuhörer gebracht. Grundthema: "Gesetzlichkeit (das komplette jüdische Gesetz) versus Gerecht durch Gnade"? Alma Ulmer, Gottfried Heinzmann, Jürgen Kehrberger und Manfred Bletgen verstehen ihr Handwerk. Zuweilen regten die „Bibelzeiten“, wie sie Manfred Bletgen nennt, auch im Nachhinein noch zum Nachdenken an.

Und die Frage aller Fragen: Was nimmt man Ende einer so intensiven Woche mit? Wenn dann die Instrumente wieder verstaut sind, alle Noten zusammengesucht, dem Zimmer ein letztes Lebewohl gesagt wurde, gibt es doch einen Punkt, auf den man sich freuen kann: in 51 Wochen geht es weiter. Mit lauten und leisen Tönen, mit vierstimmigen Gesängen, quietschenden Morgenchorälen, langen Nächten, Schwarzwurst und Zwiebeln, Wein und Bier und jeder Menge Impulse, die noch ein ganzes Jahr nachwirken werden.

Fenja Sommer

 

 

Berührendes Miteinander

Eine Woche Urlaub nehmen und das gleich im Januar? Im Urlaub früh aufstehen, den ganzen Tag Programm haben und sich trotzdem erholen? Um es mit den Worten von Peter Lustig zu sagen: „Klingt komisch, ist aber so.“
Fast 100 Chorleiter aus Württemberg und darüber hinaus versammeln sich eine Woche lang im Januar auf dem Bernhäuser Forst. Quasi gegenüber vom Flughafen, aber trotzdem inmitten einer idyllischen Landschaft gelegen, befindet sich die Tagungsstätte des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.

Ausgeliefert sind die Teilnehmer nicht nur den Referenten des ejw (Hans-Ulrich Nonnenmann, Albrecht Schuler, Michael Püngel, Regina Gräber, Brigitte Kurzytza, Friedrich Veil), Verstärkung bekommen diese durch Agnes-Dorothee Lang und Irmgard Eismann. In verschiedenen Chorleitungsgruppen lassen sich die Dirigenten mehr oder weniger durch die Mangel drehen. Denn was gewöhnt man sich im Laufe des Lebens nicht so alles an Macken beim Dirigieren an. Solotanz für Dirigent mit Posaunenchor trifft auf schlangenförmiges Wurschteln, das nur bei näherem Hinsehen als klarer Vierertakt bezeichnet werden kann. Doch so schlimm wie jetzt beschrieben, ist es gar nicht. Aufgeteilt in verschiedene Leistungsgruppen, gestaffelt nach Erfahrungsgrad, treffen meistens gleiche auf gleiche. Gewünscht ist konstruktive Kritik. Jeder darf ein Stück dirigieren, vielleicht mal eines, mit dem er oder sie seine Schwierigkeiten hat. Beim Komponistenporträt am Samstag kann man sich dann auch noch was abgucken. Wie dirigiert zum Beispiel ein Thomas Riegler? Und wie bringt er seine Musik an den Mann?

Zur gemeinsamen Woche auf dem Forst gehört noch viel mehr. Am frühen Nachmittag sind verschiedene Interessengruppen am Start. Gehörbildung (liebevoll auch als Gehörlosenschulung bezeichnet), Musiktheorie oder improvisieren – die Bandbreite kennt keine Grenzen. Ziel ist es, sich weiterzubilden und vielleicht auch den einen oder anderen Anstoß mitzunehmen. Wer zu müde ist, nimmt vielleicht auch den MHD (Matratzenhorchdienst) in Anspruch.

Ein wichtiger Bestandteil des Tages ist die Bibelzeit. Nicht Bibelarbeit, verdeutlicht Manfred Bletgen immer wieder. Zu Gast sind abwechselnd unterschiedliche Personen. Alma Ulmer, Jürgen Kehrberger, Gottfried Heinzmann und Manfred Bletgen haben sich in diesem Jahr die Ehre gegeben, mit den Teilnehmern über die Josefsgeschichte zu reden. Ein wahrer Hollywoodkrimi, wenn man es so sieht. Geld, Macht, Intrigen treffen auf Liebe und Versöhnung. Sehr nahe am Leben war es in diesem Jahr und emotionale Regungen wirklich zu sehen. Schließlich betrifft das Thema Versöhnung doch mehr Menschen als gedacht. Tiefgehend, nahe am Menschen und eine Verbindung zwischen Glauben und Welt. Ergänzt wurde die Reihe der Bibelarbeiten durch Kirchentagspastor Joachim Lenz, der am Sonntag im Gottesdienst predigte und Nachmittags in humorvoller Weise über die Geschichte der Kirchentage und den Vorbereitungen für 2015 in Stuttgart berichtete. 

Einen schönen und runden Tagesabschluss und den Start in die Nacht bietet der Abendchoral. Mit „Bleib bei mir Herr“, „Nun ruhen alle Wälder“ oder anderen schönen Chorälen und Bearbeitungen musizieren abwechselnd einige Teilnehmer. Gleichzeitig sollen sie auch der Weckservice am nächsten Morgen sein – mit „Es tagt der Sonne Morgenstrahl“ ist schon der eine oder andere mehr oder weniger sanft geweckt worden. Nicht zu vergessen sind die nächtlichen Gesprächsrunden. Bei Schwarzwurst, Brot, Zwiebel und Käse kann ein erster Hunger nach dem Abendessen wieder beseitigt werden. Dazu einen oder zwei gute Tropfen in Form von Wein oder je nach Belieben auch Bier – die Nacht kann kommen. Wichtig ist nur: der Letzte macht das Licht aus.

Den festlichen Abschluss bildet alljährlich der Festabend. Donnerstags sind Freunde, Verwandte und Fans eingeladen, der Musik zu lauschen. Gemeinsam mit dem Schwäbischen Posaunendienst zeigen die Chorleiter, dass sie mehr können als nur selbst zu dirigieren – nämlich auch spielen.

Was nimmt man nach so einer Woche mit? Faszinierend zu betrachten ist das Miteinander. Es gibt blutjunge Dirigenten und solche, die schon seit 40 Jahren dabei sind. Es gibt Fans der modernen Literatur und Befürworter der klassischen. Dennoch ist man eins miteinander. Man trifft sich zum Austausch, zur gemeinsamen Diskussion. Wichtig ist nicht das Alter, sondern vielmehr das, was hinter all dem steckt: anderen Menschen mit der Musik den Glauben weiterbringen und die Herzen zu berühren.

Fenja Sommer

Es fing alles ganz einfach an: mit dem Fallenlassen der Hand wie einen Gummiball, bis dieser auf ein imaginäres Fensterbrett aufsprang und wieder nach oben federte. Das war die 1, und nochmal und nochmal. Dann kam die zwei, die drei und die vier und so weiter, erst gemeinsam dann auch allein um die anderen zu dirigieren. Mit viel Spaß und Freude ging´s hinein in eine neue Rolle, am Anfang sogar mit Muskelkater beim Armeheben. Wir entdeckten und lernten immer mehr, beispielsweise wie man einen Choral musikalisch interpretiert, zwischen verschiedenen Taktarten wechselt und besondere Stellen im Stück erkennt. Jedes Mal sollten wir ein Stück vorbereiten, das besprochen wurde, um auch konkret etwas in unsere Chören mitbringen zu können. Um das alles auf solide Füße zu stellen haben wir kräftig Musiktheorie, Gesangbuchkunde rauf und runter, Tonleitern in Dur oder Moll gepaukt. Als wir schon dachten, das war´s, ging´s weiter mit der Schulung des Gehörs. Beim Intervalle hören hatten wir echte Könner dabei. Hans-Ulrich Nonnenmann, Albrecht Schuler, Regina Graeber, Michael Püngel und Brigitte Kurzytza haben sich viele Samstage mit großem Engagement um unseren Erfolg bemüht. Zur Abschlussprüfung trafen wir uns in Göppingen und wir wurden den ganzen Tag auf Herz und Nieren geprüft: Erst die schriftliche Musik-Theorie, dann die praktische Chorleitung mit Probenmethodik und Grundschlagarten, abschließend Gehörbildung und die mündliche Prüfung der Theoriefächer. Am Schluss standen wir im Halbkreis versammelt in der späten Septembersonne als Brigitte verkündete: „Herzlichen Glückwunsch, Ihr seid alle befähigt! “. Zum Abschluss kann man sagen, dass es sich gelohnt hat den Befähigungsnachweis zu machen und wir nun sogar ein Zeugnis über unseren Erfolg in Händen halten.

Daniela Streble

Komm mit auf eine Reise der Entdeckungen.

So stand es im Sommer-Freizeitprospekt 2013 des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.

Auf diese Reise haben wir Bläserinnen und Bläser und unsere Gäste und Freunde uns dann über Pfingsten auch gemacht. Wir, das waren knapp 40 Personen, davon ca. die Hälfte Bläser, die hauptsächlich aus den Kirchenbezirken Leonberg und Herrenberg kamen. 

Nun, die im Reiseprospekt versprochenen Entdeckungen haben wir tatsächlich auf der Reise machen dürfen. Vier dieser Entdeckungen möchte ich skizzieren.

Da war die herrliche Bergwelt des Piemont, die zum Teil schneebedeckten Berge, die sonnigen Täler, die klaren Bäche, die weitläufigen Rebhänge, alte Steinhäuser, duftende Frühlingsblumen. Die Wetternachrichten aus der regnerischen, z.T. überfluteten Heimat waren für uns nicht nachvollziehbar. Wir konnten nämlich Gottes Schöpfung in voller Pracht genießen und die Aussage des Liedes bestätigt erhalten: „Freuet Euch der schönen Erde, denn sie ist wohl wert der Freud. Oh, was hat für Herrlichkeiten, unser Gott da ausgestreut. EG 510,1“. 

Da war die Begegnung mit anderen Posaunenchören und anderen Christen, die eine ganz andere Gemeinde- und Glaubenssituation erleben in der Geschichte ihrer Kirche und Gruppen bis heute als wir. Gemeinsam haben wir Gottesdienste gefeiert und uns über unseren gemeinsamen Glauben und die über alle Grenzen hinweg verständliche Musik verstanden, obwohl die Teilnehmer der Bläserbegegnung drei verschiedene Sprachen und noch mehr Dialekte sprechen (Italienisch, Französisch und Deutsch, Schwäbisch und Badisch). 

Da war die Begegnung mit dem besonderen Lebensstil der Waldenser mit seiner schlichten Frömmigkeit und dem Zentrum ihres Glaubens: die Bibel und die tätige Nächstenliebe.

So hatten wir nicht nur eine touristisch wertvolle Ecke, die gar nicht überlaufen ist, kennengelernt, sondern wir sind in vieler Hinsicht beschenkt worden durch diese Begegnungsreise und den Dienst der Bläser. So wollen wir auch diese Zeit nochmals rückblickend als Dank an unseren Herrn sehen, der uns vieles hat entdecken lassen und der auch in diesem gemeinsamen Erleben und Glauben und unseren Dienst als Bläser gestärkt und gesegnet hat. 

Ich wünsche für uns alle, dass wir auch künftig in unserem Alltag und in den Urlaubszeiten gute Entdeckungen haben und sicherlich werden sich die Bläser mal wieder auf Entdeckungsreise begeben.

Helmut Nonnenmann, Ruheheim - Bezirksposaunenwart Bezirk Leonberg

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