Datenschutz in der Jugendarbeit und Messengerdienste

WhatsApp als trojanisches Pferd - Kommunizieren ohne (vernünftige) Grenzen

Im Gegensatz zur privaten Nutzung ist die Nutzung von Messengerdiensten im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit den Regelungen des Datenschutzes verpflichtet. Zwar unterliegt die Evangelische Landeskirche in Württemberg im Bereich des Datenschutzes keiner staatlichen Kontrolle und Aufsicht, was sich aus ihrem Selbstverwaltungsrecht nach Art. 137 Abs. 3 WRV i.V.m. Art. 140 GG ergibt. Da jedoch die seit 25. Mai geltende DS-GVO in Art. 91 den Kirchen das Recht einräumt, eigene Regelungen auf dem Gebiet des Datenschutzes zu erlassen bzw. beizubehalten, sofern sie mit der DS-GVO in Einklang gebracht werden, gelten im Bereich der Evangelischen Landeskirche das (bereits am 24. Mai geänderte) Datenschutzgesetz der EKD (DSG-EKD) und die Datenschutzdurchführungs- und ergänzungsverordnung der Landeskirche (DSD-EVO). Diese orientieren sich inhaltlich allerdings stark an den europäischen Vorgaben und schaffen dazu noch einige Sonderregelungen, um die besonderen konfessionellen Anforderungen zu konkretisieren.

Wer mit Messengerdiensten hantiert, kommt nicht umhin, (eigene und fremde) personenbezogene Daten im Sinne der Datenschutzgesetze zu verwenden.

Laut § 9 DSG-EKD sind personenbezogene Daten durch technische und organisatorische Maßnahmen zu schützen.

Nun werden seit einiger Zeit WhatsApp-Nachrichten zwar hinreichend verschlüsselt (end-to-end) und vor unbefugten Blicken geschützt. Dennoch werden nach wie vor sämtliche Kontaktdaten aus dem Adressbuch des Nutzers an den Dienstanbieter übertragen. Denn seit August 2016 hat WhatsApp seine Nutzungsbedingungen geändert, dort steht nun ausdrücklich:

Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.

Also: WhatsApp greift nunmehr – vom Nutzer bewusst oder unbewusst autorisiert - nach Herunterladen der App und Anmeldung auf das Kontakteverzeichnis des Anmelders zu, um zu überprüfen, welche seiner Kontakte bereits bei WhatsApp registriert sind. Bestimmte Kontoinformationen werden dann an die Konzernmutter Facebook weitergegeben.

Da jedoch die Personen, deren Kontaktdaten wir in unseren Smartphones gespeichert haben, in aller Regel nicht zugestimmt haben, dass ihre Daten an WhatsApp übertragen werden, können die meisten Nutzer diese Bedingung eigentlich gar nicht erfüllen. Sie werden, einfach, weil sie "dabei" sein wollen, mehr oder weniger zur Lüge (gegenüber WhatsApp) genötigt sein. Im privaten Bereich ist dies zumindest heikel, im betrieblichen (also auch im kirchlichen) nicht vertretbar.  

Datenschutzexperten haben die derzeit rund 40 Millionen WhatsApp-Nutzer in Deutschland zu einem Verzicht auf den Chat-Dienst aufgerufen und dazu geraten, künftig eher eine der vielen alternativen Messenger-Dienste von Anbietern zu nutzen, die einen datenschutzfreundlicheren Umgang mit Kundeninformationen pflegen (dazu unten mehr). 

Auch wenn es vielen als abwegig und völlig unpraktikabel erscheint, bei WhatsApp auszusteigen: Es geht. Und wir dürfen unseren Bildungsauftrag und unsere Vorbildfunktion nicht vergessen. Kommunikation gelingt letztlich nur im Zweiergespräch unter 4 Augen, das müssen wir bewerben.

 

Bereits 2016 hatte uns Frau Dr. Hella Steineck-Kinder vom Oberkirchenrat in Stuttgart bezüglich der Nutzung von WhatsApp durch Privatpersonen geraten, aufzuklären und zu warnen, während im Rahmen der dienstlichen Nutzung davon abzuraten sei.

Nach den rechtlichen Verschärfungen 2018 muss dies umso mehr gelten.

Ab dem 25. Mai 2018 kommt hinzu, dass die Nutzungsbedingungen von WhatsApp das Mindestalter von 13 auf 16 Jahren anheben. Grund hierfür ist eine Bestimmung der EU-Datenschutzgrundverordnung, wonach die Nutzung von persönlichen Daten erst ab dem 16. Lebensjahr der betroffenen Person rechtmäßig ist.

Wer dennoch auf einen Messenger zur Kommunikation mit seinen Jugendlichen (oder auch mit anderen Mitarbeitenden) nicht verzichten will, sollte zu einem weniger neugierigen und dennoch seriösen Anbieter wechseln wie beispielsweise zu Threema oder Signal, die eine datenschutzrechtlich unbedenkliche und v.a. seriöse Alternative darstellen. Alexander Strobel weist darauf hin, dass Signal auf einer Open-source-Software beruht, also von Experten auf "Hintertürchen" geprüft werden kann.

Insbesondere jedoch der Schweizer Anbieter Threema findet zunehmend in der Jugendarbeit Einzug, einzelne Bezirksjugendwerke haben bereits umgestellt. Ähnlich wie bei WhatsApp können Texte, Sprachnachrichten, Bilder, Videos usw. verschickt werden. Auch bei Threema steht der Quellcode als Open Source zur Verfügung.

Threema bietet ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Nachrichten können also nur von Sender und Empfänger gelesen werden. Allerdings schützt Threema die anfallenden sensiblen Metadaten (aus denen Dritte Rückschlüsse auf Interessen. Standorte und Kommunikationsbeziehungen ziehen könnten) so gut wie möglich und löscht die Nachrichten unmittelbar nach Zustellung von seinen Servern.

Obgleich Threema bereits den Anforderungen der DS-GVO entsprechen, wurde als zusätzliche Maßnahme im April 2018 das Mindestalter auf 16 jahre heraufgesetzt.

Die werbefreie App, die lediglich einmalig zwischen derzeit 1,09 und 3,49 Euro kostet (unterschiedlich für iPhone, Windows Phone und Android-Geräte, Preise ändern sich relativ kurzfristig, aber auf niedrigem Niveau), gewährleistet Anonymität durch Installation einer Threema-ID, die unabhängig von anderen Kontaktdaten zugewiesen wird.

 

Einen solchen eigentlich lächerlich geringen Preis sollte uns der Datenschutz wert sein.

 

 

 

 


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