Datenschutz in der Jugendarbeit und Messengerdienste

Alternativen zu WhatsApp nutzen

Seit 2016 warnen wir, und immer mehr Menschen steigen auf datenschutzsichere Messengerdienste wie Threema und Signal um - und das ist gut so. Das sollten auch die Haupt- und Ehrenamtlichen im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit beherzigen.

Im Gegensatz zur privaten Nutzung ist die Nutzung von Messengerdiensten im kirchlichen Kontext den Regelungen des Datenschutzes verpflichtet. Zwar unterliegt die Evangelische Landeskirche in Württemberg im Bereich des Datenschutzes keiner staatlichen Kontrolle und Aufsicht, was sich aus ihrem Selbstverwaltungsrecht nach Art. 137 Abs. 3 WRV i. V. m. Art. 140 GG ergibt. Da jedoch die seit 25. Mai 2018 geltende DS-GVO in Art. 91 den Kirchen das Recht einräumt, eigene Regelungen auf dem Gebiet des Datenschutzes zu erlassen bzw. beizubehalten, sofern sie mit der DS-GVO in Einklang gebracht werden, gelten im Bereich der Evangelischen Landeskirche das (bereits am 24. Mai 2018 geänderte) Datenschutzgesetz der EKD (DSG-EKD) und die Datenschutzdurchführungs- und Ergänzungsverordnung der Landeskirche (DSD-EVO). Diese orientieren sich inhaltlich allerdings stark an den europäischen Vorgaben und schaffen dazu noch einige Sonderregelungen, um die besonderen konfessionellen Anforderungen zu konkretisieren.

Wo ist das Problem?

Wer mit Messengerdiensten hantiert, kommt nicht umhin, (eigene und fremde) personenbezogene Daten im Sinne der Datenschutzgesetze zu verwenden.

Laut § 9 DSG-EKD sind personenbezogene Daten durch technische und organisatorische Maßnahmen zu schützen.

Nun werden seit einiger Zeit WhatsApp-Nachrichten zwar hinreichend verschlüsselt (end-to-end) und vor unbefugten Blicken geschützt. Auch wurde aus der automatischen Übertragung sämtlicher Kontaktdaten aus dem Adressbuch des Nutzers an den Dienstanbieter nur noch die "optionale Funktion" des Hochladens der Kontakte.

Selbst wenn der Nutzer aber WhatsApp zum Herunterladen des Kontakteverzeichnis bewusst autorisiert, müsste er fairerweise zuvor die Personen, denen die Daten zugeordnet sind, um vorherige Erlaubnis gebeten haben.

Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass die Personen, deren Kontaktdaten wir in unseren Smartphones gespeichert haben, in aller Regel eben nicht zugestimmt haben, dass ihre Daten an WhatsApp übertragen werden. 

Daher und aufgrund anderer Unklarheiten (nicht zuletzt der Panne vom 4.10.2021) beurteilt die in Deutschland für WhatsApp zuständige Hamburger Datenschutzbehörde die zuletzt im Mai geänderten Nutzungsbedingungen ablehnend. Sie seien missverständlich und wiesen erhebliche Widersprüche auf, sie seien "unklar" und "schwer auseinanderzuhalten". In der entsprechenden Presseerklärung der Behörde heißt es: "Auch nach genauer Analyse lässt sich nicht erkennen, welche Konsequenzen die Zustimmung für die Nutzerinnen und Nutzer hat."

 

 

Vielmehr habe eine Untersuchung der Bestimmungen gezeigt, dass die Verbindung zwischen Whatsapp und Facebook weiter ausgebaut werden solle, "damit Facebook die Daten der Whatsapp-Nutzerinnen und -Nutzer jederzeit zu eigenen Zwecken verwenden kann".

Quelle: datenschutz-hamburg.de/pressemitteilungen/2021/05/2021-05-11-facebook-anordnung

 

 

Wer dennoch auf einen Messenger zur Kommunikation mit seinen Jugendlichen (oder auch mit anderen Mitarbeitenden) nicht verzichten will, sollte beispielsweise zu Threema oder Signal wechseln, die eine datenschutzrechtlich unbedenkliche und v. a. seriöse Alternative darstellen. Alexander Strobel weist darauf hin, dass Signal auf einer Open-source-Software beruht, also von Experten auf "Hintertürchen" geprüft werden kann. Deswegen wurde Signal auch auf die Diensthandys der EJW-Landesreferenten gespielt.

In der Fläche findet insbesondere der Schweizer Anbieter Threema Einzug, einzelne Bezirksjugendwerke haben bereits umgestellt. Ähnlich wie bei WhatsApp können Texte, Sprachnachrichten, Bilder, Videos usw. verschickt werden. Auch bei Threema steht der Quellcode als Open Source zur Verfügung.

Threema bietet ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Nachrichten können also nur von Sender und Empfänger gelesen werden. Allerdings schützt Threema die anfallenden sensiblen Metadaten (aus denen Dritte Rückschlüsse auf Interessen. Standorte und Kommunikationsbeziehungen ziehen könnten) so gut wie möglich und löscht die Nachrichten unmittelbar nach Zustellung von seinen Servern.

Obgleich Threema bereits den Anforderungen der DS-GVO entsprechen, wurde als zusätzliche Maßnahme im April 2018 das Mindestalter auf 16 Jahre heraufgesetzt. 

Der einzige Nachteil, der aber auch ein Qualitätsmerkmal sein kann: Threema kostet (wenig) Geld, einmalig 3,99 € beim Download - das sollte uns die Datensicherheit wert sein.

 

 

 

 

 


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