Lebensmittelkennzeichnung – Europäisches Recht trifft Jugendarbeit

Seit dem 13.12.2014 ist es bei Gemeinde- und Vereinsfesten komplizierter: Selbstgebackenes, Selbstgebratenes und Selbstgekochtes muss dann womöglich mit einem Hinweis auf allergieauslösende Inhaltsstoffe gekennzeichnet werden. Fakten und Unklarheiten sollen nachstehend dargestellt werden:

Der Umgang mit Lebensmitteln in der Jugend- und Gemeindearbeit erfordert schon lange erhebliche Kenntnisse in Sachen Lebensmittel- und Personenhygiene. Gesetzlich geregelt ist dies v.a. im Infektionsschutzgesetz (IfSG) und der Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV).

Während das IfSG in § 42 die gesundheitlichen Anforderungen an Personen regelt, die mit empfindlichen Lebensmitteln umgehen, bezieht sich die LMHV auf die hygienischen Voraussetzungen, die die Einrichtungen, die Lebensmittel u.a. behandeln und abgeben, zu beachten haben. Dazu gehört auch eine Schulungspflicht gegenüber den Mitarbeitern in Fragen der Lebensmittel- und Personalhygiene.

Seit dem 13.12.2014 kommt jetzt eine weitere Verordnung ins Spiel, die wir u.U. zu beachten haben, die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) der EU vom 25.10.2011, deren amtliche Bezeichnung wir an dieser Stelle unterschlagen.

 

Worum geht es?

Gemäß Ziff.3 der Verordnung soll „ […] sichergestellt werden, dass die Verbraucher in Bezug auf die Lebensmittel, die sie verzehren, in geeigneter Weise informiert werden.“

Hier geht es zunächst einmal um die Verpflichtung des Lebensmittelherstellers, bestimmte Pflichtangaben in geeigneter Weise auf dem Produkt anzubringen, Dinge wie Zutaten, Nährstoffe, Mindesthaltbarkeitsdatum usw. Das ist nicht gerade neu, wurde aber in vielen Punkten verschärft.

So müssen bereits seit 2005 bei verpackten Lebensmitteln solche Zutaten, die besonders häufig Allergien oder andere Lebensmittelunverträglichkeiten auslösen, extra ausgewiesen werden.

 

Wo liegt nun aber die Bedeutung für unsere Jugendarbeit?

In Artikel 44 in Verbindung mit Artikel 9 Abs.1 Buchstabe c der Verordnung:

Danach gilt die Kennzeichnungspflicht von Allergie und Unverträglichkeiten auslösenden Zutaten nun auch bei „nicht vorverpackter“, also loser Ware.

Wenn nun also die Kirchengemeinde oder der CVJM ein Mitarbeiterfest veranstaltet oder eine sonstige Veranstaltung durchführt, bei der Lebensmittel verkauft werden, und sei es nur das heiße Würstchen oder der selbstgebackene Träubleskuchen, so müssen diese Dinge tatsächlich nach den Vorgaben der Verordnung gekennzeichnet werden. Artikel 13 verlangt die Anbringung der Allergen-Hinweise an gut sichtbarer Stelle, deutlich, gut lesbar, nicht verdeckt und ohne blickablenkendes sonstiges Material.

Wir müssen uns also mit dem Gedanken vertraut machen, dass wir als Anbieter von Lebensmitteln zukünftig verpflichtet sind, nicht nur diese gesetzlichen Vorgaben zur Kennzeichnung zu kennen und umzusetzen, sondern dass die Verantwortlichen auch Grundkenntnisse zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten erwerben und diese an die „Hersteller“ weitergeben, also auch an die kuchenbackende Hausfrau oder den Hobbyangler, der seine selbstgeangelten Räucherforellen beim CVJM-Fest feilbietet.

 

Die Verordnung ist hier veröffentlich:

 

eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do

 

 

 

Noch existiert keine nationale Durchführungsverordnung in Deutschland; ein Entwurf, der bei Verstößen die Sanktionen des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs vorsieht, kann auf der Webseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft eingesehen werden:

 

www.bmel.de/SharedDocs/Rechtsgrundlagen/Entwuerfe/LMIV_Nat_DurchfuehrungsVO.pdf

 

 

 

 

 

Peter L. Schmidt


- Peter L. Schmidt
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