Aber das war doch ein Unfall – oder?

Zum Unfallbegriff in der EJW-Unfallversicherung

Wer erstmals im Rahmen der EJW-Gruppenversicherung einen Unfall melden muss, wird nicht selten erst einmal durch die Begrifflichkeiten verwirrt: Den Begriff „Unfall“ assoziiert man fast unwillkürlich zunächst mit dem Verkehrsunfall, man denkt also an Blechschäden, in zweiter Linie vielleicht auch an verletzte Personen.

Beide Assoziationen sind gar nicht falsch, allerdings denkt der Gesetzgeber beim Begriff „Unfallversicherung“ ausschließlich an die Versicherung für Körperschäden aufgrund eines Unfalls (für Fahrzeugschäden dagegen ist die Kfz-Versicherung zuständig, bestehend aus Kasko- und Kfz-Haftpflichtversicherung).

Die Legaldefinition (also die gesetzliche Definition, von lateinisch „legalis“) findet sich in Ziffer 1.3 AUB 2008/2009 und in § 178 II S.1 VVG: Ein Unfall liegt vor, wenn die versicherte Person durch ein plötzlich von außen auf ihren Körper wirkendes Ereignis (Unfallereignis) unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet. Diese Definition enthält die vier Merkmale des Unfallbegriffes (Plötzlichkeit, Außeneinwirkung, Unfreiwilligkeit, Gesundheitsschädigung). Fehlt auch nur eine dieser Voraussetzungen, so liegt kein Unfall im Sinne der AUB vor.

Es gibt noch eine Erweiterung des Unfallbegriffs (durch eine erhöhte Kraftanstrengung), aber der soll an anderer Stelle erläutert werden.

 

Schwierigkeiten bereitet in aller Regel das Merkmal „Einwirkung von außen“. Wie ist das, wenn ich beim Fußballspielen plötzlich umknicke und mir einen Bänderriss hole? Wenn ich mich auf einen Stuhl setzen will, den mir jemand plötzlich wegzieht und ich mir (noch bevor ich auf den Boden auftreffe) mir das Knie verdrehe? Was wirkt hier „von außen“ auf mich, meinen Körper ein?

Warum ist die gesetzliche Definition überhaupt so eng, warum wird nicht jedes verletzte Körperteil einfach als unfallbedingt anerkannt? Dem Gesetzgeber geht es darum, Krankheitsursachen, die innerer Natur sind, auszuschließen, außerdem eigene und willensgesteuerte Bewegungen.

Wenn also Paulchen P., der beim Fußballspiel als Verteidiger gerade gemütlich an der Außenlinie nach hinten trabt, weil das Spiel beim generischen Tor stattfindet, und ihm urplötzlich der Meniskus reißt, dann fehlt es hier an der äußeren Einwirkung. Anders wäre es, wenn er versehentlich auf den Ball oder in eine Bodenvertiefung tritt, der Fuß umknickt und das Außenband reißt – hier liegt keine willensgesteuerte Bewegung zugrunde, sondern es kommt noch etwas anderes von außen hinzu, was die Bewegung unerwartet verkürzt oder verändert hat. Man muss also nicht erst einen Ball gegen den Kopf bekommen, schon der unplanmäßige Verlauf einer ursprünglich geplanten und willensgesteuerten Bewegung gilt als äußere Einwirkung.

Auch eine Ausgleichsbewegung kann eine äußere Einwirkung darstellen oder schweres Heben, wenn man die Kontrolle über den Gegenstand verliert, die Eigenbewegung dadurch unplanmäßig wird und es zu einem Bandscheibenvorfall kommt.

Schwierig wird's – wie so oft – beim Essen, z.B. beim Jungscharzeltlager: Natürlich wird der Eintopf wissentlich und willentlich gegessen, dennoch kann es passieren, dass sich ein Steinchen ins Essen verirrt hat und beim kräftigen Zubeißen ein Stück Zahn abbricht. Anders wäre es, wenn an dem Steinchen (das den Schlund noch sicher passiert hat) ein bösartiger Krankheitserreger hinge – wenn dieser im Magen-Darm-Trakt eine Lebensmittelvergiftung auslöst, ist das eine (innere) Erkrankung, keine (plötzliche!) Einwirkung von außen.

 

Diese Finessen haben sich weder die Versicherungen noch das EJW ausgedacht, das ist Ius Teutonicum – deutsches Recht!

 

Drum prüfe, wer den Schaden meldet,

Ob‘s plötzlich-äuß're Wirkung war:

Hat sich das Kindlein nur erkältet?

Ist mehr gekrümmt als nur ein Haar?

 

Ist es der Körper, den es traf?

Oder die Seele, die nun schmerzt?

Wenn das geklärt, so füll man brav

Die Unfallanzeig aus beherzt!


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