Gemeinsam mit jungen Menschen an der Basis Verantwortung übernehmen
Unter dem Leitmotiv „begegnen, begleiten und befähigen“ fand am 09. Mai 2026 die Delegiertenversammlung des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW) statt. 131 Delegierte aus ganz Württemberg kamen im Tagungszentrum Bernhäuser Forst zusammen, um gemeinsam über aktuelle Herausforderungen und die strategische Ausrichtung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit zu beraten und zu entscheiden.
Den Auftakt bildete ein Gottesdienst, bei dem die neuen Mitarbeitenden Elias Aufrecht, Jonathan Kümmerle, Daria Marmaridis, Katharina Trostel und Johannes Wörner in ihren Dienst eingeführt wurden. Zugleich fand die Begrüßung der neuen Vorsitzenden der Bezirksarbeitskreise statt und den ausscheidenden Vorsitzenden wurde für ihr Engagement gedankt.
Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumvami würdigte in ihrem Grußwort an die Versammlung das Engagement der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden und betonte die Bedeutung einer lebendigen Jugendverbandsarbeit in Kirche und Gesellschaft: „Unser Miteinander ist kostbar und das gelingt nur, wenn wir uns gemeinsam in der Gesellschaft einbringen.“ Es sei entscheidend, Lebensfragen von jungen Menschen ernst zu nehmen und sie dabei zu begleiten und zu beraten.
Julia Hinderer, die Vorsitzende des EJW, betonte, dass Transformation selten ein bequemer Prozess und nicht nur Aufbruch, sondern immer auch mit Abschied verbunden sei. Sie hob hervor, wie die große Vielfalt an Formaten, Projekten und Beziehungen, die über viele Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit gewachsen sind, tragen. Diese verlässliche und wirksame Arbeit bilde das Fundament, auf das alles Neue aufbauen kann. Beides gehöre zusammen, sowohl das wertschätzende Bewahren, als auch das mutige Verändern: „Wenn wir es schaffen, diese Spannung auszuhalten und gemeinsam zu gestalten, dann kann Transformation gelingen – nicht als Bruch, sondern als Weiterentwicklung“. Denn es sei wichtig sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass „Zukunft gestaltbar ist, weil wir glauben, dass Gott Wege eröffnet. Weil wir glauben, dass unser Handeln heute Bedeutung hat für das, was morgen möglich wird.“
Die Landesleitung des EJW berichtete über die Entwicklungen des vergangenen Jahres und stellte die Projekte und Planungen für die kommenden Monate vor. Der Jahresbericht sowie der Jahresabschluss zeigten, wie breit die Arbeit aufgestellt ist und an wie vielen Stellen Begegnung ermöglicht wird. Nach einer Aussprache entlasteten die Delegierten den Vorstand. Auch der Haushaltsplan der Landesstelle wurde vorgestellt und diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde vor Augen gestellt, dass finanzielle Entscheidungen immer auch darauf ausgerichtet sind, Menschen zu befähigen und Räume für gelingende Arbeit zu schaffen. Zudem wurde die “Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Anerkennung sexualisierter Gewalt“ thematisiert und in ihren Auswirkungen auf die Arbeit vor Ort eingeordnet.
Cornelius Kuttler, Leiter des EJW, betonte, dass er das EJW trotz Einsparungen und Veränderungen „nicht am Ende, sondern als quicklebendig“ empfinde. Er führte aus: „Wir sind Ermutigungsgemeinschaft, wenn wir einander dienen und alles darauf ausrichten, jungen Menschen in ihren Lebenswelten zu begegnen, Beziehung zu leben und sie zum Glauben an Jesus einzuladen und darin zu stärken.“
Der Bericht von Landesjugendpfarrer Matthias Rumm griff aktuelle Entwicklungen auf und stellte die Arbeit in einen größeren kirchlichen Zusammenhang. Besondere Herausforderungen sind zum Beispiel Themen wie Jugendbeteiligung in der Kirche, Demokratiebildung, Wehrdienst, Kriegsdienstverweigerung und Friedensarbeit. Diese Themen erfordern ein hohes Maß an Begleitung und Orientierung.
Ein zentraler Bestandteil der Versammlung war der inhaltliche Austausch: In einem World Café, vorbereitet und durchgeführt von Sandra Wien, setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit dem grundlegenden Auftrag und dem Zielsetzungsprozess (BHAGs – Big Hairy Audacious Goals) der Landesstelle auseinander. Dies sind herausfordernde Ziele, die sich das EJW im Zuge seines Transformationsprozesses gesetzt hat. Die BHAGs wurden dabei als wichtige Leitlinie für das strategische Handeln diskutiert. In den Gesprächen spiegelte sich das Leitmotiv der Delegiertenversammlung wider: Wie können wir Begegnung fördern, Menschen verlässlich begleiten und sie zugleich dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen?
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Verbandes. In einem von Anna Mader moderierten Tagesordnungspunkt wurde die Haltung des EJW zu politischem Populismus und Extremismus deutlich benannt und die Beschlussempfehlung einstimmig unterstützt. Das EJW bekennt sich dazu, dass auf der Grundlage des christlichen Glaubens jedem Menschen eine unverlierbare Würde zukommt. Jegliche Form von Populismus und Extremismus lehnt das EJW ab. Das klare Statement unterstreicht den Anspruch, junge Menschen zu befähigen, sich für demokratische Werte, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander einzusetzen. In einer Gesprächsphase setzten sich die Delegierten mit dieser Thematik auseinander und konnten weitere Impulse einbringen.
Die Delegiertenversammlung zeigte insgesamt eindrücklich, wie das Zusammenspiel von Begegnung, Begleitung und Befähigung die evangelische Jugendarbeit in Württemberg auszeichnet. Die Veranstaltung war geprägt von einem konstruktiven Austausch, klaren Entscheidungen und dem gemeinsamen Willen, die Arbeit in Kirche und Gesellschaft aktiv mitzugestalten.