Ein Brückenbauer zwischen Sport und Kirche

15.06.2026 | Redaktion: Judith Kaplan- Öffentlichkeitsarbeit EJW

Abschied von Klaus Strittmatter, ehemaliger Sportreferent im EJW, der am 21. Mai 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben ist

Am 21. Mai 2026 ist Klaus Strittmatter gestorben. Mit ihm verlieren Kirche und Sport in Deutschland eine Gestalt, die wie kaum eine andere für die Verbindung beider Welten steht. Über sechs Jahrzehnte hat er daran gearbeitet, dass Kirche und Sport nicht nebeneinanderher leben, sondern miteinander – auf Augenhöhe, im Gespräch, im gemeinsamen Tun.

Ein Leben zwischen Fußballplatz und Glaubensweg

Klaus Strittmatter wurde am 29. Januar 1936 in Heilbronn geboren. Er spielte leidenschaftlich und mit viel Talent Fußball – selbst der Württembergische Fußballverband hatte ihn bereits im Blick. Doch er entschied sich gegen die Fußballkarriere. Nicht für den Sport und gegen den Glauben, nicht für den Glauben und gegen den Sport – sondern für einen Weg, der beides zusammenhielt. Die Entscheidung, eine Ausbildung zum CVJM-Sekretär in Kassel aufzunehmen, war der erste Schritt auf diesem Weg.

Dass er dabei den Sport nicht hinter sich ließ, zeigt sein anschließendes Studium als Gasthörer an der Deutschen Sporthochschule in Köln, wo er unter anderem auch Boxen studierte und in seiner Gewichtsklasse die Hochschulmeisterschaft gewann. Diesen Sport lehnte er später aus theologischen Gründen ab: Er war die einzige ihm bekannte Sportart, bei der man jemanden körperlich schädigen und dafür Punkte bekommen kann. Diese Spannung – das Verstehen von innen heraus, das Urteilen aus Überzeugung – blieb sein Markenzeichen.

Vom Landessportwart zum Brückenbauer

Ab den späten 1950er Jahren arbeitete Klaus Strittmatter beim Evangelischen Jugendwerk in Württemberg, das damals noch unter dem Namen Evangelisches Jungmännerwerk agierte. Zunächst arbeitete er als Landessportwart, dann als Landessportsekretär und Landessportreferent. In dieser Zeit baute Klaus Strittmatter die Sportarbeit im Eichenkreuz systematisch aus – Handball, Leichtathletik, Volleyball und Basketball. Er war überzeugt: Sport ist keine Konkurrenz zur Frömmigkeit, sondern ein Ausdruck gelebter Schöpfung.

Etwa 20 Jahre später wirkte im Bundesausschuss Breitensport des Deutschen Sportbundes (heute: Deutscher Olympischer Sportbund – DOSB) mit und war an der Konzeption der Trimm-Dich-Bewegung beteiligt. Gleichzeitig engagierte er sich als Delegierter des CVJM-Gesamtverbandes.

Eine Idee, entstanden auf einem Berg

Ende der 1960er Jahre unternahm Klaus Strittmatter mit einer Gruppe eine Bergwanderung im Engadin und führte dabei auf dem Rückweg ein Gespräch mit Martin Hörmann, dem Sportpfarrer der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das Geschichte machen sollte. Die zentrale Frage des Gesprächs war die, wie sich das Verhältnis von Kirche und Sport wirklich verändern lässt? Nicht durch mehr Tagungen und Sitzungen – sondern durch gemeinsames Tun. Skifahren in der Stille und Schönheit der Berge, miteinander: Das verbindet.

Aus diesem Gespräch entstand die Idee des EKD-Studienkurses Kirche und Sport in Sils Maria, der seit 1970 jährlich stattfindet. Klaus Strittmatter war einer der Initiatoren und über Jahrzehnte der prägende Gestalter des Studienkurses. Theologen und Sportwissenschaftler, Kirchenräte und Leistungssportler schliefen in Mehrbettzimmern, teilten die Waschräume und lernten gemeinsam Skifahren – auch das hatte er so gewollt. Im Jahr 2020 konnte Klaus Strittmatter das 50-jährige Jubiläum des Studienkurses noch miterleben.

Studienleiter in Bad Boll – ein Amt, das er erst ermöglichen musste

Zum 1. August 1978 wechselte Klaus Strittmatter als Studienleiter für den Bereich Freizeit, Sport und Vereine an die Evangelische Akademie Bad Boll. Gleichzeitig übernahm er die Geschäftsführung des Landesarbeitskreises Kirche und Sport Württemberg und den Vorstandssitz im übergeordneten EKD-Arbeitskreis.

Den Titel „Beauftragter für Kirche und Sport“ gab es zu Beginn seiner Amtszeit noch nicht. Er entstand auf ausdrückliche Initiative des Württembergischen Landessportbundes, der für Klaus Strittmatter einen repräsentativen Titel forderte. Mit dem offiziellen Schreiben vom 5. April 1995 wurde er Beauftragter für Kirche und Sport der Evangelischen Landeskirche Württemberg. Es war die Geburtsstunde dieses Amtstitels in Württemberg.

In seiner Amtszeit entwickelte Klaus Strittmatter den Sportleitplan für den Strafvollzug in Baden-Württemberg, der bundesweit übernommen wurde. Er organisierte das Kirchensportzentrum bei der Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart, gründete gemeinsam mit dem organisierten Sport eine Jugendfreizeitstätte und schuf Terminkonferenzen als alltägliches Koordinationsinstrument zwischen Kirchengemeinden und Vereinen. Dabei verstand er seine Aufgabe immer doppelt: als Beauftragter der Kirche gegenüber dem Sport – und als Vertreter des Sports gegenüber der Kirche.

Der Alpenverein und die Berge

Nach seiner Pensionierung im Jahr 2000 übernahm Klaus Strittmatter ehrenamtlich das Amt des 2. Vorsitzenden im Deutschen Alpenverein (DAV), das er bis 2003 ausübte. Die Alpen waren für ihn nicht nur Sport, sondern Schöpfung – ein Raum, in dem der Mensch sich selbst und Gott begegnet. 1953 hatte er als 17-Jähriger in Sils Maria zum ersten Mal die Berge wirklich gesehen – mit dem Bus von Stuttgart angereist und noch nie in der Schweiz gewesen. Als die Reisegruppe an den Rhein kam und der verschneite Säntis-Gipfel vor ihnen auftauchte, wisperte jemand in der Gruppe: „Die Schweizer haben ihre Berge weiß angemalt.“ Dieses Bild hat ihn nie verlassen.

Dankbarkeit und Abschied

Am 01. Dezember 2001 wurde Klaus Strittmatter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Im Rahmen dieser Verleihung brachte Prof. Ommo Grupe, ehemaliger Leiter des Sportinstituts der Universität Tübingen, seine Verdienste mit einem Satz auf den Punkt: „Sein Name steht für die Verbindung von Sport und Kirche“

Jo Krummacher, langjähriger Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, nannte Klaus Strittmatter den Brückenbauer zwischen Kirche und Sport. Diese Brücke hat er über mehr als sechs Jahrzehnte gebaut – mit Geduld, mit Humor, mit Überzeugung und mit der unerschütterlichen Gewissheit, dass gemeinsames Tun mehr verbindet als jedes Gespräch allein.

Das EJW trauert um einen Visionär und engagierten Jugendarbeiter, der die Sportarbeit im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg entscheidend geprägt hat.

Klaus Strittmatter wurde am 12. Juni 2026 im engsten Kreis in Bad Boll beigesetzt.

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