Es gibt keinen Plan B

23.10.2026 | Yasin Adigüzel - Länderreferent EJW-Weltdienst

Finanzielle Einschränkungen und logistische Hürden erschweren den Schulalltag rund 150 Jugendlicher im Vocational Training Center in Jericho.

Das YMCA-Berufsbildungszentrum in Jericho ist seit drei Jahren im Krisenmodus.Während weltweite Krisen die Schlagzeigen bestimmen, sind Nachrichten aus Palästina in den Hintergrund gerückt. Dabei gilt dort alles andere als „back to normal“. Im Gegenteil.

Das Vocational Training Center (VTC) in Jericho kämpft seit drei Jahren mit anhaltenden finanziellen und logistischen Herausforderungen. Die palästinensische Autonomiebehörde, die zuvor den Großteil des Budgets für das VTC getragen hatte, hat ihre Zuwendungen drastisch gekürzt. Dass der Betrieb im VTC noch immer läuft, ist auch der großzügigen Unterstützung aus dem Ausland zu verdanken.

Trotzdem – die Einschränkungen, zu denen die Verantwortlichen im YMCA gezwungen sind, schmerzen. Das Angebot wurde immer weiter reduziert um Kosten zu senken. Nicht zwingend notwendige Schulfächer, wie z. B. Englisch, wurden gestrichen. Im September 2026 wurden insgesamt sieben Vollzeitstellen aus Kostengründen um 40 % reduziert. Alle Maßnahmen sollen das Überleben der Einrichtung sichern.

Hinzu kommt der alltägliche Ausnahmezustand. Ständige Wegsperrungen und Check-Points, die ohne Vorwarnung errichtet bzw. geschlossen werden, erschweren einen verlässlichen Schulalltag erheblich. Zehn Mitarbeitende, die außerhalb von Jericho leben, haben ihre Arbeitswoche komplett umorganisiert: Sie schlafen unter der Woche direkt im VTC und sehen ihre Familien nur am Wochenende.

Samah, die Leiterin des Zentrums, hat Sorgenfalten im Gesicht. Sie will nicht darüber nachdenken, was geschieht, wenn das VTC am Ende doch den Betrieb einstellen muss. Vor allem will sie nicht an das Schicksal der rund 150 Jugendlichen denken, die Jahr für Jahr ihre Hoffnung auf sie und das VTC setzen: „Ich fühle mich so schwach, aber versuche den Familien gegenüber stark und zuversichtlich zu sein. Ich tue so, als hätten wir alles im Griff, dabei gibt es keinen Plan B.“

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