Baden und Schwimmen mit der Jugendgruppe

Gerade in den Sommermonaten werden wir regelmäßig gefragt, was denn speziell bei Jugendaktionen im Wasser zu beachten sei, also sowohl beim Freibadbesuch mit der Jugendgruppe als auch bei Sommerfreizeiten am Meer oder sonstigen Gewässern.

Häufig ist v. a. die Frage, wie qualifiziert denn die Aufsichtspersonen sein müssen und ob man einen Rettungsschwimmer dabei haben sollte oder gar muss.

Das wichtigste Stichwort in diesem Zusammenhang ist die

 

Rettungsfähigkeit

Anerkannt ist, dass Aufsichtspersonen auf jeden Fall „rettungsfähig“ sind.

Als Rettungsfähigkeit wird die Fähigkeit definiert, einen Menschen aus einer lebensgefährdenden Situation im Wasser zu befreien.

Was das konkret bedeutet, hängt wie so oft von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab, v. a. von Beschaffenheit des Badestrandes oder des Schwimmbeckens, weshalb nur bestimmte Mindestanforderungen auf jeden Fall erfüllt werden müssen:

Rettungsfähig ist, wer eine im Wasser verunfallte Person, die er zu beaufsichtigen hat,

-          an jeder Stelle aus jeder Tiefe des Schwimmbereiches an die Wasseroberfläche bringen,

-          diese Person mit dem Gesicht über Wasser an den Beckenrand verbringen,

-          die Person auch alleine aus dem Wasser an Land bringen und sicher außerhalb des Wassers ablegen und

-          lebensrettende Sofortmaßnahmen einleiten kann.

 

Das heißt zunächst: ein zertifizierter Rettungsschwimmer muss juristisch betrachtet nicht zwingend dabei sein, ABER: die DLRG empfiehlt für eine qualifizierte Rettungsfähigkeit, dass mindestens eine Aufsichtsperson das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber besitzt, weitere zusätzliche Begleitpersonen zumindest das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze.

(https://www.dlrg.de/informieren/sicherheitstipps/fuer-lehrer-erzieher-etc.html)

Die Rettungsfähigkeit sollte regelmäßig (spätestens alle drei Jahre) wieder praktisch nachgewiesen und die Erste-Hilfe-Kenntnisse sollten aufgefrischt werden.

Es ist davon auszugehen, dass ein Gericht im Schadensfall ähnliche Maßstäbe wie die Ausbildungsinhalte der DLRG an Fähigkeit und Qualifikation der Aufsichtspersonen ansetzen wird.

Im günstigsten Fall wird es von den Aufsichtspersonen erwarten, dass sie selbst schwimmen können, in einem guten gesundheitlichen Zustand sind und auf Notsituationen im Wasser eingestellt und vorbereitet sind, unabhängig von der konkreten Qualifikation. Zu Beweiszwecken ist jedoch ein entsprechend bestandener Lehrgang äußerst hilfreich, wenn auch die faktische Rettungsfähigkeit entscheidender ist als der Nachweis.

Unabhängig davon sollte von jeder Aufsichts- und Begleitperson bei risikogeneigten Aktivitäten erwartet werden können, im Ernstfall lebensrettende Sofortmaßnahmen zu ergreifen und Erste Hilfe leisten zu können.

Der Betreuerschlüssel

Wie viele Betreuer und Aufsichtspersonen sollen eine Schwimm- oder Badegruppe begleiten? Auch hier kommt es wie so oft auf den konkreten Einzelfall an. Entscheidende Faktoren sind die Anzahl der betreuten Personen, deren eigene Schwimmfähigkeit und körperliche Verfassung sowie die Art des Gewässers (z. B. Schwimmbad, Badesee oder Meer).

Gemäß der sogenannten „Qualifizierten Faustregel“ sollte bei gefährlichen Aktionen wie Schwimmen, Skifahren oder Klettern entsprechend den Vorgaben des Landesjugendplans für pädagogische Betreuer ein Schlüssel von mindestens 1:6 anzuwenden sein, also ein Betreuender auf 6 zu Betreuende. Immer jedoch sollte eine Mindestzahl von 2 Betreuern vorgesehen sein.

 

Aufsicht im Schwimmbad

Hier sollte man sich nicht durch die Anwesenheit eines oder mehrerer Bademeister darüber täuschen lassen, dass man aufgrund der eigenen Garantenstellung nach wie vor die Aufsichtspflicht über die eigene Gruppe wahrzunehmen hat, und zwar  grundsätzlich im vollen Umfang. Zwar hat der Bademeister vor Ort eine allgemeine Aufsichtspflicht für den geregelten Ablauf des Badebetriebes und ist verpflichtet, darauf zu achten, dass im Schwimmbecken die Ordnung gewahrt bleibt. Darüber hinaus muss er auch das Treiben aller Schwimmgäste beobachten (so auch BGH, NJW 1980, 392). Oft haben Bademeister parallel aber noch zahlreiche andere Pflichten zu erfüllen, z. B. das Prüfen der Wasserqualität.

Daher liegt die primäre Aufsichtspflicht bei der jeweiligen Gruppenleitung, man kann sich lediglich dadurch etwas entlasten, indem man sich und seine Gruppe gleich zu Anfang bei der Badeaufsicht vorstellt und mit dieser vereinbart, wie man sich die Aufsichtspflicht teilt. Nur, soweit die jeweilige Person sich tatsächlich damit einverstanden erklärt, besonderes Augenmerk auf die Jugendgruppe zu legen, kann von einer gewissen Erleichterung der Gruppenleitung ausgegangen werden.

Dennoch sollten auch im Schwimmbad entsprechend des oben beschriebenen qualifizierten Betreuerschlüssel mindestens zwei eigene Aufsichtspersonen anwesend sein, von denen eine ausschließlich für die Beckenaufsicht zuständig ist. Je nach Größe der Gruppe, des Geländes und der Zahl der Becken und sonstigen Einrichtungen (Wasserrutsche, Sprungtürme usw.) sollte die Anzahl der Aufsichtspersonen mit Beckenzuständigkeit entsprechend erhöht werden. Gleichzeitig sollte wiederum mindestens eine Person am zentralen „Lagerplatz“ bleiben, die sich um eine gewisse Rundumsicht bemüht (kein Musikhören oder Herumspielen am Smartphone!) und im Notfall schnell involviert ist. 


Aufsicht beim Baden in natürlichen Gewässern
Das Baden in Badeseen, in Flüssen oder dem Meer birgt im Vergleich zum Baden im Schwimmbad ein erhöhtes Gefahrenrisiko. Oft ist die Wassertiefe nicht bekannt bzw. schwer einzuschätzen, es kann zu mehr oder minder gefährlichen und unberechenbaren Strömungen, Wellengang oder einer Brandung kommen.

Hier sollte möglichst, soweit vorhanden, ein ausgewiesener Badebereich benutzt werden, der nicht verlassen werden sollte. Sofern dieser einen Nichtschwimmerbereich ausweist, ist dieser vorzuziehen, auch von erfahrenen Schwimmern.

In jedem Fall, v. a., wenn kein Bade-Sicherheitsbereich abgesteckt ist, sind hier die Rettungsschwimmer besonders gefragt.

Nichtschwimmer sollten in natürlichen Gewässern grundsätzlich nicht oder nur nach ausdrücklicher Erlaubnis der Sorgeberechtigten und unter erhöhter qualifizierter Aufsicht ins Wasser gelassen werden. Ansonsten sollten alle Schwimmer mindestens ein „Frühschwimmer“-Abzeichen (das berühmte Seepferdchen) vorweisen können, was die Sorgeberechtigten schon im Anmeldeprozess mitgeteilt haben sollten. Unabhängig davon sollten sich die Aufsichtspersonen vor dem Baden persönlich von der Schwimmfähigkeit der Beaufsichtigten überzeugen, was beispielsweise im Rahmen eines gemeinsamen Schwimm-Spiels im ungefährlichen Wasserbereich unauffällig beobachtet werden kann.

 

Niemals sollten sich Aufsichtsführende allein auf die mündliche Aussage verlassen, man könne schon schwimmen, selbst eine schriftliche Bestätigung der Eltern reicht nicht unbedingt.

Dies ist zumindest die Konsequenz aus der mittlerweile rechtskräftigen Verurteilung einer Betreuerin durch das Amtsgericht Kulmbach vom 5.4.2018 wegen Fahrlässiger Tötung. 2014 war im Freibad von Himmelkron die damals achtjährige Vanessa ertrunken, weder die Gruppenleiterin noch der Bademeister hatten dies bemerkt. Letzterer wurde aufgrund der Umstände sogar freigesprochen, während der Betreuerin vorgehalten wurde, sich nicht von der Schwimmfähigkeit des Mädchens überzeugt zu haben. Das Gericht erkannte für Recht, dass selbst die schriftliche Bestätigung von Eltern, dass ihr Kind schwimmen kann, nicht ausreichend sei, vielmehr müsste man die beaufsichtigten Kinder tatsächlich vorschwimmen lassen.

 

Badezeit

Je nach Alter und Kondition der Kinder sollte die Badezeit begrenzt werden. Spätestens bei Anzeichen von Auskühlung oder Erschöpfung sollten die betroffenen Minderjährigen schnellstens aus dem Wasser geholt werden, ggf. sollte das Baden der gesamten Gruppe ebenfalls früher beendet oder zumindest längere Zeit unterbrochen werden.

 

 


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